Sind alle Meinungen gleich viel wert?

10. Januar 2016 | By darek | Filed in: Allgemein.

Heute möchte ich der Frage nachgehen, ob alle Meinungen, die Menschen formulieren, den gleichen Wert haben. Gerade in Bezug auf die Meinungsfreiheit, die ich sehr begrüße, ist dies aus meiner Sicht ein spannendes Thema. Gibt es eine Möglichkeit festzustellen, ob eine bestimmte Meinung mehr Wert hat, als eine andere? Oder weniger Wert? Oder ist die Wertigkeit von Meinungen immer gleich? Fragen über Fragen in einem philosophischem Kontext.

Um es kurz zu machen und die Antwort gleich vorwegzunehmen: Ja, Meinungen haben unterschiedliche Wertigkeiten. Einige Meinungen sind mehr wert als Andere.

Wieso?:

Um überhaupt eine Wertigkeit herstellen zu können, müssen wir ein Bezugssystem der Wertung haben. Ohne diesen Bezug kommen wir nicht aus.

Da wir wissen, dass jede Meinung immer nur einen subjektiven Blick auf die Welt darstellt, also jeder Mensch seine eigene Wahrheit hat, brauchen wir einen absoluten Standpunkt, auf den wir uns beziehen können. Und dies ist, welch eine Überraschung, die „Welt“.

Wir können unsere Meinung in Bezug auf die Welt messen. Da die „Welt“ so allgemein klingt, ersetze ich es durch „Realität“. Dann würden wir bei Meinungen von einem Realitätsbezug sprechen.

Wir können der Realität die Wertigkeit 1 geben. Würde die Meinung, die man äußert, zu 100% der Realität entsprechen, hätte diese Meinung auch die Wertigkeit 1.

Würde die geäußerte Meinung genau das Gegenteil der Realität sein, so hätte diese Meinung den Wert 0.

Anhand dieser Definition können wir Meinungen bewerten.

Beispiel:

Ich halte ein rotes Schild hoch. („Rot“ ist eine menschliche Definition, die sich auf einen bestimmten elektromagnetischen Spektralbereich bezieht, der klar eingegrenzt ist.)

Wenn nun jemand die Meinung vertritt, dass dies ein rotes Schild sei, dann hätte diese Meinung, trotz der eigenen Subjektivität, den Wert 1. Würde dagegen jemand die Meinung vertreten, dass dies ein blaues Schild sei, dann würde dies der Realität komplett entgegengesetzt stehen und diese Meinung hätte den Wert 0.

Wenn wir die Frage stellen, welche Meinung nun Vorrang hat, dann müssen wir diejenige mit dem höchsten Wert nehmen. Denn diese ist am nähesten an der Realität dran.

Wenn in diesem Fall jemand die Meinung vertreten würde, dass dieses Schild halb rot und halb blau ist, dann haben wir einen Zustand,  bei dem die Hälfte der Meinung die Wertigkeit 1 hat und die andere Hälfte der Meinung die Wertigkeit 0. Daraus können wir den Mittelwert bilden und kommen auf die Wertigkeit 0,5. Der Wert dieser Meinung würde also mittendrin liegen. Aber auch hier, hätte die Meinung mit der Wertigkeit 1 Vorrang.

Wie weit kann man seine Meinung der Realität annähern?

Da wir als Menschen ziemlich eingeschränkt sind beim Wahrnehmen der Realität, ist es unmöglich jemals eine Meinung zu vertreten, die die Wertigkeit 1 besitzt. Ein Ausspruch wie „Ich weiß, dass ich nicht weiß.“ besitzt eine der höchstes Meinungswertigkeiten. Aber auch sie hat nicht die Wertigkeit 1, da diese Meinung selbst gewußt wird und sich damit widerspricht und damit auch der Realität widerspricht. Aber dies in nur geringem Maße. Aus dem Bauch heraus, also subjektiv, würde ich so eine Meinung mit der Wertigkeit 0,99 einstufen. (Vllt. wird sie auch aufgrund ihrer Wertigkeit schon seit Jahrhunderten weitergegeben).

Die Meinung „Ich weiß, dass ich alles weiß“ dagegen, hat die Wertigkeit 0.

 

Ideologische Wertung:

Eine Ideologie ist eine Sammlung bestimmter Meinungen, die man für real hält.

Eine Ideologie geht immer davon aus, dass sie die Wertung 1 hat, in Bezug auf die Realität.

In den meisten Fällen trifft dies aber nicht zu. Der Wert der Meinungen dieser Ideologie kann in Bezug auf die Realität einen sehr geringen Wert haben. Nehmen wir als Beispiel die Wertigkeit 0,5.

Eine Ideologie würde die Wertigkeit von 0,5 als Realität erfassen und alle Meinungen auf die Wertigkeit dieser 0,5 anwenden. Alle Meinungen die einen Wert unter diesen 0,5 haben, werden von der Ideologie als geringerwertig betrachtet. Alle Meinungen die einen höheren Meinungswert haben als 0,5, sind zwar mehr wert, werden aber AUCH als minderwertiger eingestuft.

Daher sind Ideologien auch deutlich strenger in der Ausübung ihrer Meinung.

Der Kampf gegen die „falsche“ Meinung ist bei einer Ideologie, die NICHT die Wertigkeit 1 hat, ím Grunde genommen doppelt so groß, da sie in beide Wertigkeitsrichtungen kämpft.

Gibt es eine „richtige“ Ideologie?

Ja. Wenn man die Realität zur Ideologie erklärt, hat diese Ideologie automatisch die Wertigkeit 1. Wenn diese Ideologie gleichzeitig für sich anerkennt, dass sie sich selbst nie erreichen kann, sondern sich ihrer selbst nur annähern kann, dann ist das die „richtige“ Ideologie.

Oder kurz ausgedrückt:

Die Realität hat Vorrang. Je näher eine Meinung an der Realität ist, desto mehr wert ist sie.

 

Und nun?

Diesen Sachverhalt kann man nun bequem anwenden auf politische Meinungen, auf Pressemeinungen, auf Demonstrationsmeinungen und auf Diskussions-, Debatten- und Diskursmeinungen.

Wer näher an der Realität ist mit seiner Meinung hat mehr recht.

Die Meinungsfreiheit garantiert, dass jeder seine Meinung sagen kann, egal welchen Wert die Meinung hat. Das ist gut so!

Wenn es aber um Meinungen geht, die für sehr große Gruppen von Menschen wichtig sind (z.B. politisch, ökonomisch, gesellschaftlich), sollten Meinungen Vorrang haben, die am nähesten an der Realität dran sind. Meinungen deren realitätsbezogene Wertung deutlich geringer ist, müssen repressiv behandelt werden, also unterdrückt werden.

Als fiktives Extrembeispiel: Wenn die gesamte Presse die Meinung vertreten würde, dass morgen die Welt untergeht, und dies NICHTS mit der Realität zu tun hat, dann ist so eine Meinung repressiv zu behandeln, da sie sonst massive gesellschaftliche, politische und ökonomische Konsequenzen hätte.

 

Ein weiteres Beispiel ist Propaganda.

Propaganda zielt darauf, Teile der Realität nicht in seiner Meinung auszudrücken. Je mehr Aspekte der Realität ich aus einer Meinung herausnehme, desto geringer wird ihr Wert. Propaganda muss dementsprechend immer repressiv behandelt werden. Propaganda repressiv zu behandeln, bedeutet aufzuklären. („Es entspricht nicht der Realität weil…“). Gegenpropaganda hat auch einen geringen Wert, weil sie einfach andere Teile der Realität auslässt.

 

Das wars…

 


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