Ist Arbeitslosengeld wirklich eine Sozialleistung?

6. Januar 2016 | By darek | Filed in: Allgemein.

Dieser Frage möchte ich im folgenden Beitrag einmal nachgehen.

Denn, entgegen allgemeiner Auffassung, könnte es sich beim Arbeitslosengeld auch um eine Entschädigungsleistung handeln.

Vorannahme:

Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten sein Leben zu bestreiten.

Entweder ist man kompletter Selbstversorger oder man bestreitet seinen Unterhalt durch die Teilnahme am vorhandenen Wirtschaftssystem. Bei letzterem spielt es keine Rolle in welcher Form, Hauptsache der Unterhalt kann bestritten werden.

Definition Selbstversorger:

Ein Selbstversorger zeichnet sich dadurch aus, dass er alle Dinge die er zum Leben benötigt, selbst erzeugt. Dies gilt für Nahrung, Wohnraum, Kleidung, Werkzeug und durchaus auch Medikamente und dergleichen.

Um Selbstversorger zu sein, benötigt es z.b. Ackerland, einen kleinen Wald zum Holzschlagen, einen Wasserzugang, evtl. Nutzvieh und die entsprechende Bildung bzw. Ausbildung um dies umzusetzen.

Definition Wirtschaftsteilnehmer:

Ein Wirtschaftsteilnehmer zeichnet sich dadurch aus, dass er mit einem beliebigen Konstrukt am Wirtschaftssystem einer Gesellschaft teilnimmt, um damit seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Er kann einer Erwerbsarbeit nachgehen, er kann selbständig sein, er kann ein Lottogewinner sein, er kann geerbet haben oder er kann von seinen „Zinsen“ leben etc.

Die Teilnahme am Wirtschaftssystem muß auch nicht immer mit „Geld“ stattfinden, sondern kann auch im Direkttauschverfahren stattfinden. Tauschringe, Umsonstläden und dergleichen, stellen auch eine Teilnahme am Wirtschaftssystem dar.

Mischformen:

Selbstversorgung und Wirtschaftsteilnahme können auch in gemischter Form auftreten. Als Beispiel: Einer Erwerbsarbeit nachgehen und gleichzeitig im eigenen Garten Gemüse anbauen. Dies wäre dann eine Teilselbstversorgung.

 

Gesellschaftliche Annahme:

Eine Gesellschaft muß jedem Gesellschaftsteilnehmer mindestens eine dieser beiden grundsätzlichen Versorgungswege zur Verfügung stellen, damit jeder in der Gesellschaft für seinen Unterhalt sorgen kann. Diese Annahme leite ich daraus ab, dass es das Ziel einer Gesellschaft ist, sich selbst dauerhaft zu stabilisieren. Denn, wenn die Gesellschaftsteilnehmer KEINEN der beiden Wege einschlagen können, findet eine Destabilisierung der Gesellschaft statt. (Hier sei eine Destabilisierung von Gesellschaften während verschiedener Wirtschaftskrisen genannt, wie sie immer wieder stattfinden.)

 

Wie sieht die Realität aus in Deutschland?

Schauen wir uns zuerst die Selbstversorgermöglichkeit an.

Die Frage lautet: Kann ich als Individuum zur Gesellschaft gehen und ein Stück Land, ein Stück Wald und dergleichen fordern und bekomme es dann zu meiner „kostenlosen“ Selbstversorgungsnutzung? Als „kostenlos“ ist hier die Bodensteuerfreiheit und Kaufpreisfreiheit gemeint.

Die Antwort lautet natürlich: Nein.

Die Gesellschaft verweist mich in diesem Fall darauf, dass ich alles, was ich zur Selbstversorgung benötige, bezahlen soll. Ich soll das Land kaufen, ich soll das Werkzeug kaufen, ich soll das Haus kaufen bzw. die Baumaterialien dafür etc. Es ist im Grunde genommen der Verweis darauf, erstmal als „normaler“ Wirtschaftsteilnehmer zu agieren, um später die Selbstversorgungsmittel finanzieren zu können. Ob man das gut oder schlecht findet, sei jedem selbst überlassen.

Da die Selbstversorgung also nur finanzierbar ist, wenn man eine gewisse Zeit lang als Wirtschaftsteilnehmer agiert, müssen wir uns die Möglichkeiten der Wirtschaftsteilnahme anschauen.

Die Frage die wir stellen müssen:

Kann ich als Individuum zur Gesellschaft gehen und fordern, dass ich ein Wirtschaftsteilnehmer sein will? Man könnte es als Recht auf Einkommen bezeichnen. In den meisten Fällen als ein Einkommen durch Arbeit. Also Erwerbsarbeit.

Nun, diese Forderung kann man zwar stellen an die Gesellschaft, aber sie wird nicht immer beachtet. Die Arbeitsmarktlage in Deutschland ist schlecht. Wir haben es real mit einer halboffiziellen Arbeitslosigkeit von 3,8Mio Menschen zu tun. (Die Realität sieht noch um Faktoren schlechter aus).

Nun ist die Frage: Ist die Arbeitslosigkeit ein Naturphänomen, welches man hinnehmen muß oder handelt es sich bei Arbeitslosigkeit eher um etwas, was durch falsche Wirtschaftspolitik erzeugt wird?

Die Antwort ist recht einfach. Letzteres ist der Fall. Denn Arbeitslosigkeit ist immer ein Symptom einer zu großen Ungleichheit von Vermögen. Wen das näher interessiert, kann sich das hier mal anschauen:

„Arbeitslosigkeit? Wie entstehen eigentlich Arbeitsplätze?“

 

Wir können also für knapp 3,8Millionen Menschen in Deutschland keine Wirtschaftsteilnahme anbieten, aufgrund falscher Wirtschaftspolitik.

Zwischenfrage:

Wenn eine Gesellschaft mehreren Gesellschaftsteilnehmern NICHT die Möglichkeit der Selbstversorgung und auch NICHT die Möglichkeit einer Wirtschaftsteilname anbieten kann, aufgrund vorherrschender politischer und gesellschaftlicher Strukturen, ist sie dann schadensersatzpflichtig?

Der Schaden für diejenigen, die nicht teilnehmen können, ist ja ein künstliches Konstrukt, also hausgemacht. Dementsprechend ist die Gesellschaft hier aus meiner Sicht klar der Auslöser und ist schadensersatzpflichtig. Dies aber unter der Annahme, sich selbst als Gesellschaft stabilisieren zu wollen. Stellt euch vor, welche Destabilisierungswirkung 3,8Mio Menschen komplett ohne Einkommen auf eine Gesellschaft hätten.

Interessanterweise haben die Politiker diese Destabilisierungsprozesse vor Jahrzehnten mal verstanden und haben die sogenannte Sozialhilfe eingeführt. Sprich, das Arbeitslosengeld oder auch Transferleistung oder wie immer man das bezeichnen möchte.

Die heutige Gesellschaft glaubt beim Arbeitslosengeld, dass dies aufgrund von Freiwilligkeit der Gesellschaft an die Arbeitslosen gezahlt wird und das die Arbeitslosen dementsprechend dankbar sein müssen für diese Zahlungen und dementsprechend auch selbst aktiv werden müssen um ihre Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Da es aber nicht an den Arbeitslosen liegt, dass es nicht genug Jobs gibt, ist diese Forderung von Seiten der Gesellschaft natürlich Unsinn.

Denn sie verschleiert das wirtschaftspolitische Versagen der eigenen Gesellschaft.

Fazit:

Entweder bietet die Gesellschaft jedem die Möglichkeit an ein Selbstversorger zu sein oder sie bietet jedem die Möglichkeit an, an der Wirtschaft teilzunehmen.

Wenn sie es, aufgrund falscher Wirtschaftspolitik, zulässt, dass mehrere Millionen Menschen KEINEN dieser beiden Wege gehen können, dann ist sie aufgrund ihres eigenen Versagens schadensersatzpflichtig.

Arbeitslosengeld, egal welcher Art, ist damit eine Schadensersatzleistung. (Diese Schadensersatzleistung dann auch noch kürzen zu wollen, ist mehr als dreist.)

 

Was denkt ihr? Ab in die Kommentare mit eurer Meinung.

 

Das wars…

 


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