Kurze Feststellung: 800.000 Flüchtlinge. Wieso haben Menschen Angst?

12. September 2015 | By darek | Filed in: Allgemein.

Im heutigen Beitrag möchte ich eine psychologische Komponente der Menschen erläutern. Beim Thema Flüchtlinge wird desöfteren von abstrakten Ängsten geredet und die wenigsten können sich darunter was vorstellen. An dieser Stelle muß erstmal gesagt werden, dass der Begriff „abstrakte Angst“ sprachlich ungültig ist, da Ängste immer konkret sind. Die einzigst gültige Sprachanwendung wäre „konkrete Angst bei abstrakten Ereignissen“.

Aber was steckt denn nun genau dahinter?

Dazu kann ich dem Leser ein Selbstexperiment anbieten.

Was bedeuten die 800.000 Flüchtlinge konkret, die dieses Jahr nach Deutschland kommen sollen?(Kritische Fragen wie „Wenn die alle nach Deutschland wollen, warum stehen die dann vor dem Eurotunnel und bzw. oder in Dänemark?“ lasse ich mal aussen vor.)

Nehmen wir also an, die 800.000 Flüchtlinge kommen. Deutschland hat eine Einwohnerzahl von knapp 80.000.000. Die Flüchtlinge stellen also genau 1% der einheimischen Bevölkerung dar.

Nun kann der Leser mal die Einwohnerzahl seiner Gemeinde herausfinden. Bei mir ist es ein 300-Seelen-Dorf. 1% von 300Einwohnern sind 3. Das heißt, bei deutschlandweiter gleichmäßiger Verteilung der Flüchtlinge, kommen 3 fremde Menschen in mein Dorf. Und nun kann ich mir die Frage stellen, ob ich Angst vor diesen 3 fremden Menschen in meinem Dorf habe oder nicht. Da muß ich ganz klar sagen, das 3 zusätzliche „Einwohner“ lächerlich sind. Die fallen gar nicht auf.

Ich kann mir sogar die Frage stellen, wieviele „fremde“ Menschen ich in meinem Dorf tolerieren würde. Unter der Vorraussetzung, dass sie komplett quer durchs Dorf verteilt wären. Ich würde da tief angesetzt bei 15 Flüchtlingen die Grenze ziehen. Aber was heißen denn diese 15 Flüchtlinge in meinem Dorf für ganz Deutschland? Das sind 5% der Einwohner. Auf die Einwohnerzahl Deutschlands hochgerechnet, wären das 4.800.000 Flüchtlinge.

Du, als Leser, kannst auch ausrechnen wieviele Flüchtlinge das für deine Gemeinde/Stadt sind und kannst diese konkrete Zahl mal mit der abstrakten Zahl von 800.000 vergleichen.

Die konkrete Zahl wird dir kaum Angst machen, die abstrakten 800.000 schon eher. Die Bedeutung beider Zahlen ist die gleiche.

Danach kannst du einfach mal definieren, wieviele Flüchtlinge du in deiner Gemeinde tolerieren würdest und kannst anschließend diese Zahl auf die 80.000.000 Einwohner Deutschlands hochrechnen.

Was ist nun aber mit den Ängsten?

Man kann jede abstrakte Zahl in eine konkrete Zahl umwandeln. Dies ist allerdings nur für Menschen möglich, die gut abstrakt denken können. Da fallen leider schon einige Menschen raus.

Wenn diese Umwandlung für Menschen nicht möglich ist, erzeugen abstrakte Zahlen Unsicherheit, da diese Menschen sie nicht konkret einordnen können. Sie „fühlen“ nicht, was sie bedeuten.

Und genau diese Unsicherheit der Menschen, die nicht gut abstrakt denken können, führt dann zu den ganzen Abwehrreaktionen in diesem Land. Dabei würde es völlig ausreichen, wenn sie die dazugehörigen konkreten Zahlen verstehen würden. Oder wenn ihnen ein Medium dies sagt.

Das ganze gilt übrigens nicht nur für abstrakte Zahlen, sondern auch für abstrakte Ereignisse. Hier ist es genau das gleiche.

 

Randnotiz:

Konkrete und abstrakte Ereignisse erfassen und verarbeiten, gehört zur Thematik der konkreten und abstrakten Intelligenz.

 

Das wars…

 


5 comments on “Kurze Feststellung: 800.000 Flüchtlinge. Wieso haben Menschen Angst?

  1. Franklin1157 sagt:

    Es bleibt aber nicht bei diesen 800.000. Außerdem sind 2015 und 2016 schon 1.5 Mill gekommen. Es sitzen weitere Millionen auf gepackten Koffern. Alle wollen ihre Familien nachholen. Ihre Rechnung ist nur ein Ausschnitt und blendet die Tatsache aus, dass sich hier gerade eine Völkerwanderung abspielt – vorzugsweise nach Deutschland. Angesichts der bereits existierenden Armut (+drohender Altersarmut), den prekären Arbeitsverhältnissen von Millionen Beschäftigen – wie soll das alles bezahlt und wo sollen all die Menschen untergebracht werden? Bitte eine Kopfgesteuerte Lösung!

    • wpradmin sagt:

      Zahlen:
      Asylsuchende 2015: 890.000
      Asylsuchende 2016: 320.000
      Zusammen: 1,21Mio Asylanträge

      Aktuell sind weltweit ca. 60 Mio Flüchtlinge unterwegs, die meisten davon sind Binnenflüchtlinge. Die haben also nicht vor ihr Land zu verlassen, sondern fliehen nur innerhalb des eigenen Landes. Zusätzlich dazu sind diese 60Mio Flüchtlinge weltweit gezählt, also auch auf Kontinenten, die weit weg von Europa sind.

      Die Aussage, dass hier eine Völkerwanderung nach Deutschland stattfindet, macht so keinen Sinn. Sie absolutieren aus emotionalen Gründen an dieser Stelle. Das ist genau das, was ich im Artikel beschreibe.

      Unahängig davon ist es korrekt, dass die Einwanderung nach Deutschland die relative Armut in Deutschland verstärken wird. Dies hat aber nichts mit den Flüchtlingen zu tun, sondern mit einer desaströsen Wirtschaftspolitik. Ob Arbeitnehmer nun mit oder ohne Flüchtlinge verarmen, macht hier keinen Unterschied.

      Die Frage nach der Bezahlung ist wichtig. Wenn ich die Zahlen richtig sehe, hat das ganze bisher 22Mrd € gekostet. Das hört sich viel an, ist aber auf Bundesebene relativ wenig. Da Geld in Deutschland kein Problem ist, wenn man ALLE Einwohner betrachtet, hätte hier eine Sondersteuer für Reiche eingeführt werden können. Denn gerade die profitieren ja am meisten von Flüchtlingen. Auch die Frage nach der Unterbringung ist eine Geldfrage. Aktuell haben wir ja sogar das Problem, dass viele Flüchtlingsunterkünfte leerstehen, aber trotzdem noch bezahlt werden müssen, weil man ja unbedingt hastig Langzeitverträge aus Panik heraus abschließen musste.

  2. Claire Grube sagt:

    Wenn von den 3 freundlichen, kaum ins Gewicht fallenden Fremden, sagen wir mal Einer, ab und zu mit einem Messer bewaffnet durch die Gegend rennt und unerfreulicherweise in Ermangelung moralischer und sittlicher Wertvorstellungen dazu neigt, ein paar der Schwächeren von den 300 Eingeborenen zu bestehlen/berauben/verprügeln/vergewaltigen/ermorden, dann – und nur dann – würde ich mir bei den nächsten 3 die kommen möglichweise so meine Gedanken machen.

    Oder aber ich lasse mich weiter von Schwätzern einlullen, die mir vorrechnen wollen, dass 1% doch schon mathematisch gar nicht ins Gewicht fallen kann…

    • wpradmin sagt:

      Wenn einer von drei Flüchtlingen durchdreht, dann entspricht das 33% Kriminalitätsbereitschaft. (du hast das niedrigste bei den 3 erwähnten Flüchtlingen genommen, es geht also nicht darum, ob 33% jetzt real sind oder nicht).
      Wenn man das tut, muß man diese 33% auch bei den Eingeborenen annehmen, da, welch ein Wunder, PRIMÄR kein Unterschied in den Verhaltensweisen besteht. Dies wären 100 Deutsche, die ab und zu mal Lust darauf haben, mit nem Messer durch die Gegend zu laufen und zusätzlich noch 1 Flüchtling, der ab und zu mal Lust darauf hat, mit nem Messer rumzulaufen. Wenn man mich jetzt fragt, wieviele Menschen mich deutlich nervös machen, dann sind es insgesamt 101. Wenn ich hier noch Wahrscheinlichkeitsregeln anwende, dann ist die Gefahr, dass ich von einem Deutschen „niedergestreckt“ werde 100 mal größer als von einem Flüchtling.

      Man kann aber sehr wohl darüber reden, dass diese Wahrscheinlichkeitsregeln in unterschiedlichen Gegenden vom Durchschnitt abweichen. (Z.B. Ghettos)

      Aber all diese mathematischen Sachen haben für einen Großteil der Bevölkerung keine Bedeutung. Ich beobachte hier größtenteils völlige Verunsicherung, Angst und eine Menge Halo- und Horneffekte. Hier hat die Politik ganz klar versagt und hätte deutlich mehr auf die Verunsicherung in der Bevölkerung eingehen müssen.

      • Claire Grube sagt:

        Eine recht offensichtliches Ablenkungsmanöver mit Worthülsen, sorry. PRIMÄR besteht vielleicht kein Unterschied wenn man primär mit genetisch gleichsetzt. Kurz nach der Geburt setzen dann aber SEKUNDÄRE Faktoren ein, die Charakter und Psyche bilden. Es dürfte wohl klar sein, dass nicht wenige Asylsuchende von Bürgerkrieg, gnadenlosem Überlebenskampf und archaischen Gesellschaftsstrukturen beeinflusst hier ankommen. Die Hemmschwellen liegen dann offensichtlich tiefer als beim Durchschnitts-Michel.

        Es weichen übrigens in Ghettos nicht die Regeln der Stochastik ab, das tun sie nie, sondern die Zusammensetzung der betrachteten Grundgesamtheit.

        Ansonsten ist sogar unsere politisch korrekte Presse mittlerweile soweit ‚dunklen Teint‘ und ’südländisches Aussehen‘ der Täter nicht mehr zu verschleiern, bei den zahlreicher werdenden Meldungen bezüglich Übergriffen jeglicher Art.

        Aber mathematisch gesehen schon klar, Sylvester anno 2016 in Köln hätte natürlich genauso mit einer Horde übermütiger Milchbauern aus der Eifel passieren können… rein statistisch jedenfalls.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.