Arbeit, historisch gesehen. 25h/Woche sind nur noch für Jeden übrig…

3. April 2015 | By darek | Filed in: Allgemein.

In diesem kurzen Beitrag möchte ich mal die Entwicklung der Arbeit im historischen deutschen Kontext beleuchten.

Dazu habe ich mal 2 Grafiken zusammengebaut, die die historische Entwicklung der Bevölkerung, des Arbeitsvolumens, der Anzahl der erwerbsfähigen Menschen und die resultierende durchschnittliche Wochenarbeitszeit zeigt.

Den Anfang macht die Entwicklung der Bevölkerung und des Arbeitsvolumens seit 1849 im „deutschen Raum“:

EntwicklungDE

In der deutschen vorindustriellen Zeit kann man schön sehen, dass mit einem Anstieg der Bevölkerung auch ein Anstieg des jährlichen Arbeitsvolumens erfolgt. Je mehr Menschen, desto mehr muß gearbeitet werden um alle zu versorgen.

In den 1920er bis 1930er Jahren wurde dieser Trend durch die Industrialisierung unterbrochen. Ab diesem Zeitpunkt ist die Größe der Bevölkerung von der, zur Versorgung der Bevölkerung zu leistenden Arbeit, entkoppelt.

Seit dem wächst die Bevölkerung, aber es muß immer weniger Arbeit geleistet werden von jedem erwerbsfähigem Menschen. Also per Definition eine Produktivitätssteigerung.

Als nächste Grafik, kommt die Entwicklung der Erwerbsfähigenzahlen und die Entwicklung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit:

EntwicklungDE2

Musste um 1849 ein Arbeiter noch ca 65h pro Woche im Schnitt arbeiten, so sind es 2014 nur noch ca. 25h pro Woche. An dieser Stelle wird auch die Problemlage auf unserem Arbeitsmarkt deutlich. Ein Vollzeitjob ist rechnerisch heute mit ca. 25h anzusetzen, statt mit 38,5h.

Man kann sogar das Fazit äußern, dass jeder Arbeitnehmer, der mehr als 25h pro Woche arbeitet, den anderen Erwerbsfähigen die Arbeit wegnimmt. Dazu muß man aber fairerweise sagen, dass niemand von 25h Arbeit pro Woche leben kann. Bei einem Mindestlohn von 8,50€ wären das gerade mal 920,83€ Brutto pro Monat.

Dementsprechend müsste mit einer Reduktion der Vollzeitstellen auf 25h pro Woche, eine Erhöhung des Stundenlohns einhergehen. Dazu können wir als Grundlage das Volkseinkommen heranziehen.

Dies lag 2014 bei ca. 2.175,8Milliarden Euro.

Dies teilt sich auf in:

– Arbeitnehmerentgelte von 1.481,7Milliarden Euro

– Unternehmens/Vermögenseinkommen von 694,2Mrd Euro.

Mal abgesehen von der Verteilungsproblematik, also das sich 44,5Millionen Menschen die Arbeitnehmerentgelte teilen müssen, und deutlich weniger Unternehmer und Vermögende die restlichen Einkommen, können wir nun den Durchschnittsstundenlohn berechnen.

Der liegt 2014 bei:

1.481,7Milliarden Euro / 58,476 Milliarden Arbeitsstunden = 25,34€/h

Randnotiz:

Würde man das gesamte Volkseinkommen auf die Arbeitsstunden aufteilen, so käme man auf einen durchschnittlichen Stundenlohn von 37,21€/h

 

Wenn man nun eine 25h-Woche einführt und einen Mindestlohn festlegt, dann kann man, damit die Lohnabstufungsstrukturen erhalten bleiben, ca. 70% des Durchschnittslohns als Mindestlohn festlegen.

Dies wären 17,74€.

Wer also 25h/Woche arbeitet mit einem Mindestlohn von 17,74€ erhält ein Bruttogehalt von monatlich 1921,83€. Netto wären das ca. 1345€/Monat für 25h Arbeit/Woche.

 

Randnotiz:

Wenn man das gesamte Volkseinkommen zugrunde legt, wäre das ein Mindestlohn von 26,05€/h. Bei 25h/Woche ergäbe das ein Mindestbruttogehalt von 2822,08€. Netto wären das ca. 1975€/Monat bei 25h/Woche.

 

Fazit:

Rein wirtschaftlich gesehen geht es Deutschland wunderbar. Es wird sehr viel an Wert erwirtschaftet. Nur das was Arbeit ausmacht, profitiert nicht davon. Übrigens nicht erst seit ein paar Jahren, sondern schon seit knapp 45 Jahren.

Selbst wenn man gegen die Umverteilung der 694,2Milliarden Euro Unternehmens- und Vermögenseinkommen ist, kann man sich auf eine 25h-Woche einigen mit einem Mindeststundenlohn von 17,74€. Diejenigen die einen „Schaden“ davontragen würden, wäre die obere Mittelschicht und die reicheren Arbeitnehmer. Also hohe Angestellte und Manager und dergleichen. Der einfache Arbeiter würde davon extrem profitieren.

Und das schöne wäre: Wer mehr Geld bekommt, gibt auch mehr aus. Diese höheren Löhne würden größtenteils in den Konsum gesteckt werden, dies würde die Auftragsbücher füllen und den deutschen Unternehmen, vom Einzelunternehmer bis zum Großkonzern würde es noch besser gehen, da ihre Umsätze und Gewinne steigen würden. (Und damit auch das Bruttoinlandsprodukt bzgl. „Wachstum“)

 

Das wars…

 


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