Resonanzweltbilder und kritische Weltbilder

18. Januar 2015 | By darek | Filed in: Allgemein.

Wir leben in interessanten Zeiten. Heutzutage ist es durch die soziale und mediale Vernetzung der Welt möglich, viele viele viele verschiedene Meinungen der Menschen weltweit in Erfahrung zu bringen. Im Vergleich zu früheren Zeiten, vor dieser starken Vernetzung, wurden die Menschen mit eher wenigen Meinungen konfrontiert.

Die Weltbilder der Menschen formen sich aus dem Wechselspiel der  eigenen Meinung mit den Meinungen der anderen. Trifft man häufig auf die gleiche Meinung von anderen Menschen, so hat sie deutlich mehr Einfluss auf die eigene Meinung, als wenn man nur vereinzelt auf andere Meinungen trifft. Auf der anderen Seite wirkt die eigene Meinung auf andere Menschen deutlich stärker, je öfter man sie wiederholt. 

Resonanz:

Das Weltbild eines Menschen kann man daher als aktuell gültige Meinungsresonanz innerhalb der sozialen Rahmenbedingungen ansehen. Diese Rahmenbedingungen sind bestimmt durch Peer-Groups, durch Diskussionen, durch Medien, durch die Schule, durch Esoterik, durch Religion und durch Wissenschaft.

 

Medien:

Wenn man von gleichgeschalteten Medien spricht, so meint man damit nichts anderes, als eine zu große Meinungsresonanz innerhalb der sozialen Rahmenbedingungen der Journalisten. Oder anders ausgedrückt: Die Journalisten haben zu viel miteinander zu tun und verstärken ihre Meinung gegenseitig. Dabei kann man ihnen für diese Resonanz nicht mal einen Vorwurf machen, da sie einfach nach normalen sozialen Gesetzen funktioniert. Auch die von der Meinungsresonanz betroffenen Menschen merken nicht einmal, dass sie in so einer Resonanz drinstecken. An dieser Stelle also eine Verschwörung der Journalisten zu vermuten und die Presse, trotz ihrer Fehler, als Lügenpresse zu bezeichnen, ist fehlerhaft. Die Journalisten, die sich sozial einfach zu Nahe stehen, wissen es einfach nicht besser. Dementsprechend sind sie auch sehr verwirrt und irritiert, wenn ein Großteil der Nutzer auf einmal Kritik übt. Aus der Sicht der Journalisten, haben sie keine Fehler gemacht.

Was die Ersteller der Kritik angeht, so handelt es sich ebenfalls um eine Meinungsresonanz. Wenn viele Kommentatoren Kritik an Artikeln üben, übernehmen viele der restlichen Kommentatoren diese Kritik-Meinung und bringen sie auch ein. Dies wiederum bestätigt die ursprünglichen Medienkritiker wiederum in ihrer Meinung, da die anderen das ja auch so sehen. Daher ist Medienkritik mittlerweile zu einer Resonanzmeinung geworden.

Und genau diese beiden Resonanzmeinungen, also die Resonanzmeinung der Journalisten und die Resonanzmeinung der Medienkritiker, fechten den aktuellen Kampf um die Deutungshoheit der Welt aus.

Der Großteil der restlichen Nutzer, die noch unresoniert sind, wird sich irgendwann einer der beiden Resonanzmeinungen anschließen und selbst als Resonator für diese Meinung dienen.

Die Menschen die dann noch übrigbleiben, werden die Meinung haben: „Ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll“

Dieses Phänomen gibt es aber nicht nur in den Medien, sondern auch bei allen anderen Weltbildern.

 

Religionen:

Die größten Resonanzmeinungen der Welt, sind z.B. die Religionen. Jede Religion speist sich aus der Resonanz der Meinung der religiösen Menschen. Wenn man als Mensch also jeden Tag hört, dass es einen Gott gibt, dann übernimmt man diese Meinung irgendwann ganz automatisch und vertritt diese Meinung dann auch anderen Menschen gegenüber und verstärkt so diese Resonanz. Das geht soweit, dass sich der Großteil der Menschheit für eine der großen Religionen entscheidet, oder für die Resonanzmeinung der Nicht-Religion.

Auch hier findet ein Kampf zwischen den Resonanzmeinungen der Religionen untereinander und gegenüber den Nicht-Religionen, um die Deutungshoheit der Welt, statt.

 

Politik:

Ein weiteres großes Feld dieser Resonanzmeinungen, ist die Politik.

Die Resonanzmeinungen sind hier in Deutschland sogar an Parteien gebunden. Jede Partei für sich betrachtet, ist nichts anderes als eine soziale Rahmenbedingung, in der sich die Parteimitglieder immer wieder treffen und sich ihre Meinungen gegenseitig verstärken. Ergebnis ist für jede Partei eine Resonanzmeinung. Für die sozialen Verbindungen innerhalb der Politik und der Wirtschaft, könnte man die gleiche Aufklärungsarbeit leisten wie für die Medien. Man würde feststellen, dass auch unsere Politiker sehr stark transatlantisch gebunden sind. Dementsprechend haben wir aktuell eine gefühlte Gleichschaltung zwischen der US-Amerikanischen Politik und der EU-Politik. Dabei muß man darauf achten, dass man hier nicht von US-Vasallen sprechen darf, sondern auch von Deutschland-Vasallen. Nicht nur die US-Politik bringt ihre Meinung nach Deutschland, sondern auch Deutschland seine politische Meinung in die USA. Das ist ein Wechselspiel der Politik, welches  sich gegenseitig zu einer Resonanzmeinung aufschaukelt und im Endeffekt die „Meinung des Westens“ darstellt.

Da in der deutschen parteigebundenen Politik eigentlich immer nur 2 große Parteien an der Macht sind, plus deren Koalitionen, haben wir es in der deutschen Politik mit zwei grundsätzlichen Resonanzmeinungen zu tun. Da diese beiden Parteien auch am meisten gehört werden, haben ihre Meinungen deutlich mehr Einfluss auf die Meinungen der Bürger, als kleine Parteien. Es übernehmen also deutlich mehr Bürger die Meinung der großen Parteien, als die Meinung der kleineren Parteien. Durch die dadurch erzeugte bürgerliche Resonanzmeinung, findet bei den Bundestagswahlen dementsprechend eine Rückkopplung des Bürgers statt. Das heißt nichts anderes als: Der Großteil der Bürger wählt die Partei, deren Meinung er zuvor übernommen hat.

Die Parteien erzeugen sich also, durch verhältnismäßig deutlich mehr Meinungs-„Output“ ihre Wähler durch Resonanzmeinungen selbst.

Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass sich bestimmte Parteien und/oder Regierungen, egal wohin man auf der Welt schaut, sehr lange an der Macht halten. Es handelt sich immer um das Ergebnis einer Resonanzmeinung, die sich immer wieder selbst bestärkt.

 Dazu kommt, dass die kleineren koalierenden Parteien, die eine schwächere Resonanzmeinung haben als die „Haupt“-Partei, die Resonanzmeinung der „Haupt“-Partei annehmen.

Die stärkste Resonanzmeinung hat aktuell die CDU/CSU. Dies Aufgrund der transatlantischen Resonanz und der medialen Resonanz. Alle Parteien die mit der CDU/CSU koalieren, haben das Problem, dass sich ihre parteieigene Resonanzmeinung in Luft auflöst. Die FDP hat es als erste Partei getroffen. Sie hat sich wie die CDU benommen, und wurde dadurch überflüssig. Die SPD ereilt gerade das gleiche Schicksal, da sie mittlerweile die Resonanzmeinung der CDU übernommen hat. Auch sie wird bald überflüssig sein. Bei den Grünen sieht es genauso aus. Die Grünen haben mittlerweile auch ihre eigene Resonanzmeinung aufgeben müssen, und haben dafür die Resonanzmeinung der CDU/CSU übernommen. Auch die Grünen sind bald überflüssig.

Dann gibt es noch Die Linke auf Bundesebene. Auch bei ihr sehe ich eine Auflösung der eigenen Resonanzmeinung. Sie ist zwar ewige Opposition, aber ihre oppositionelle Bissigkeit war auch schon mal deutlich größer.

Was beim Bürger ankommt, ist ein aus diesen Resonanzprozessen erzeugter alternativloser Einheitsbrei der Politik. Der Bürger stellt sich zurecht die Frage, warum er überhaupt noch wählen gehen sollte. Auf der anderen Seite wählt er dann aber doch die großen Parteien, weil er nicht merkt, dass er Teil einer Resonanzmeinung ist.

Protestwähler gibt es wenige.

 

Fazit:

Das Menschen eine Resonanzmeinung haben und herausbilden, ist der Normalfall. Diese Resonanzmeinung ist das, was man als Weltbild bezeichnet. Man quasselt einfach alles nach, was einem gesagt wird. Hier würde ich von einem Resonanzweltbild sprechen. Von diesen Resonanzweltbildern gibt es so einige weltweit, die miteinander im Kampf um die Deutungshoheit der Welt stehen. Es handelt sich in den wenigsten Fällen aber um ein eigenes Weltbild der Menschen. Es kommt nicht aus dem Menschen selbst heraus, sondern entsteht durch die unreflektierte Kommunikation mit anderen Menschen.

Auf der anderen Seite haben wir deutlich weniger Menschen, die ein kritisches Weltbild haben.

Ein kritisches Weltbild zu haben, heißt nichts anderes, als folgendes: Egal was dir die Menschen um dich herum erzählen: ÜBERPRÜFE ES!

Ein kritisches Weltbild beinhaltet, zu erkennen, dass das eigene Weltbild ein Resonanzweltbild ist. Daraufhin erfolgt eine Korrektur durch Recherche, Faktencheck etc. um das eigene Weltbild wieder in den kritisches Modus zu versetzen. 

Aber Achtung: Die grundsätzliche ABLEHNUNG von Meinungen anderer Menschen, hat nichts mit einem kritischen Weltbild zu tun, sondern nur mit der Aufrechterhaltung der eigenen Resonanzmeinung!

 

Aufklärung:

Zu guter letzt kommt der Begriff der Aufklärung.

Aufklärung bedeutet NICHT: Seine eigene Resonanzmeinung auf andere Menschen zu übertragen!

Aufklärung bedeutet: Dem anderen Mensch die geistigen Werkzeuge an die Hand zu geben, damit er ein kritisches Weltbild aufbauen kann und sich im Endeffekt selbst aufklären kann!

 

 

Das wars…


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