Ökonomischer Faschismus

9. Januar 2015 | By darek | Filed in: Allgemein.

Faschismus, als übergeordneter Begriff, beschreibt in der heutigen Zeit die Trennung von Menschen anhand eines bestimmten Merkmals. Dies kann die Hautfarbe sein, die Religion, die Herkunft, das Alter oder auch nur ein Vermerk in einem Personalausweis, der deutlich macht, dass es sich um eine von der Gesellschaft getrennte Person handelt.

Neben diesem, für die meisten Menschen offen erkennbaren Faschismus, gibt es aber noch einen weiteren Typ, der sich seit mindestens 45 Jahren immer weiter in der Welt, hauptsächlich in der westlichen, ausbreitet. Den ökonomischen Faschismus.

In diesem Beitrag möchte ich erklären, was es mit dieser Art von Faschismus auf sich hat, und das fast jeder von uns selbst, ein ausführendes Mitglied dieses ökonomischen Faschismus ist.

Die Grunddefinition des ökonomischen Faschismus, ist die Trennung der Menschen nach ökonomischen Merkmalen.

Die Trennungsregel lautet: Wer der Wirtschaft nützt, ist willkommen und wird gut behandelt. Wer der Wirtschaft nicht nützt, ist nicht willkommen und wird schlecht behandelt.

Jeder Mensch wird im ökonomischen Faschismus einfach auf sein Kosten/Nutzen-Verhältnis hin überprüft. Fällt dieses gut aus, da der Nutzen die Kosten übersteigt, so wird dieser Mensch als „gut“ für die Gesellschaft definiert. Fällt das Verhältnis eher schlecht aus, da die Kosten den Nutzen übersteigen, so wird dieser Mensch als „schlecht“  für die Gesellschaft definiert. An dieser Stelle ist es völlig irrelevant, welche menschlichen Eigenschaften dieser Mensch hat. Ob er Sympathisch ist, freundlich, hilfsbereit, sich für Frieden einsetzt und für seine Mitmenschen oder auch im umgedrehten Fall, ob er unsympatisch ist, unfreundlich, nicht hilfsbereit und er sich nicht für seine Mitmenschen einsetzt.

Die menschlichen Eigenschaften der Menschen werden einfach auf sein Kosten/Nutzen-Verhältnis reduziert. Der Mensch ist einfach nur noch Humankapital bzw. einfach nur noch ein durchnummerierter Wirtschaftsposten der Kosten verursacht und/oder einen Nutzen hat. Das ist ökonomischer Faschismus.

Diejenigen, die ausgegrenzt werden in unserer Gesellschaft, sind diejenigen, die ein schlechtes Kosten/Nutzenverhältnis haben. Sie werden von der Wirtschaft drangsaliert, von der Politik drangsaliert und von der Gesellschaft drangsaliert. Sie werden geächtet und ihnen wird das Leben schwer gemacht. Und zwar solange, bis sie wieder einen wirtschaftlichen Nutzen bringen. So sie denn können.

Wer gehört zu den Menschen, die keinen ökonomischen Nutzen haben?

Kinder

Kinder bringen keinen wirtschaftlichen Nutzen. Dementsprechend sind Kinder in unserer Gesamtgesellschaft eher gedultet als gewollt. Wer mehr als 2 Kinder hat, wird heutzutage als asozial angesehen. Anders sieht es aus, wenn es reiche Kinder sind. Von denen kann es gar nicht genug geben. Eine reiche Familie kann auch 6 Kinder haben, ohne das sich daran irgendjemand stört.

Rentner

Rentner kosten nur Geld. Ökonomisch faschistische Lösung: Renten deutlich kürzen. Kann ja nicht sein, dass die Rentner dem Steuerzahler auf der Tasche liegen. Menschen die im hohen Alter reich sind, oder aus einem Pensionsfond bedient werden oder eine hohe kapitalgedeckte Altersvorsorge haben, werden dagegen gerne gesehen.

Kranke

Wer krank ist, liegt dem Staat und der Wirtschaft auf der Tasche. Dementsprechend wird den Kranken immer mehr Druck gemacht. Arztbesuche werden teurer, Medikamente werden teurer, Behandlungen werden nicht mehr zu 100% von den Krankenkassen finanziert. Wer heute z.B. gute Zähne haben will, sollte sich schon mal einen ordentlichen Batzen Geld zur Seite legen.

Anders sieht es aus, wenn man ein gutverdienender Kranker ist, der privat versichert ist. Diese Menschen werden mit Kusshand genommen und bekommen alle Behandlungen fast sofort. Gesetzlich versicherte müssen teilweise monatelang auf bestimmte Behandlungen warten.

Ökonomischer Faschismus: Es gibt schlechte Patienten mit wenig Geld und es gibt gute Patienten mit viel Geld.

Menschen in Pflege

Wer gepflegt werden muss in diesem Land und kein Geld hat, der hat erst mal ein dickes Problem. Er hat keinen wirtschaflichen Nutzen mehr. Dementsprechend wurde das gesetzliche Pflegesystem ruiniert. Mittlerweile wird minutengenau abgerechnet in der Pflege, was auch bei den Pflegedienstleistenden zu enormen Arbeitsstreß führt.

Es gibt sogar eine Menge Menschen, die z.B. bei dementen Eltern ihre Arbeit aufgeben müssen, um ihre Eltern zu Hause zu pflegen, weil ein Pflegeheim zu teuer ist.

Anders sieht es dagegen aus, wenn man ein Mensch ist, der Geld hat. Dann ist die Pflege wunderbar. Denn er bringt einen wirtschaftlichen Nutzen.

Arbeitslose

Arbeitslose und Hartz4-Empfänger sind das Paradebeispiel für den ökonomischen Faschismus. Jeder der nicht arbeitet und einen wirtschaftlichen Mehrwert erzeugt, liegt dem Steuerzahler nur auf der Tasche und verursacht dadurch nur Kosten.  Gesellschaftliche Ächtung, Sanktionsspiralen und Repressalien sind die Folge.

Ist es hingegen ein reicher Arbeitsloser, der von Zinsen lebt, dann ist die Welt in Ordnung, denn er bringt ja einen wirtschaftlichen Nutzen.

Das Merkmal der Arbeitslosigkeit ist dabei nicht entscheidend, sondern nur ob man als Arbeitsloser ein gutes oder schlechtes Kosten/Nutzen-Verhältnis hat.

Arme Menschen

Arme Menschen bringen grundsätzlich keinen wirtschaftlichen Nutzen. Daher interessiert deren Schicksal auch den Großteil der Bevölkerung nicht. Sollen sie doch selbst zusehen, wie sie da raus kommen. Sind ja auch selbst reingegangen in die Armut. Das ist ökonomischer Faschismus: Menschen sind nichts wert, wenn sie keinen ökonomischen Nutzen haben.

Flüchtlinge/Asylbewerber

Flüchtlinge/Asylbewerber die wir ablehnen: Arme, Kranke, Ungebildete

Flüchtlinge/Asylbewerber die wir gerne reinlassen: Reiche, Gebildete, Experten

Asylbewerber werden nur nach deren Kosten/Nutzen-Verhältnis behandelt. Habe sie einen wirtschaftlichen Nutzen, können sie rein. Haben sie keinen wirtschaftlichen Nutzen, müssen sie draussen bleiben. Das ist ökonomischer Faschismus. Denn ein Menschenleben ist nur dann was wert, wenn es einen wirtschaftlichen Nutzen hat. Die anderen können zurückgehen und sterben. Aber die waren ja auch nicht wichtig für unsere Wirtschaft.

 

Fazit:

Die Gruppen, auf die in diesem Land (und anderen Ländern) draufgehauen wird, sind IMMER die, die keinen wirtschaftlichen Nutzen haben.

 

Da sich der ökonomische Faschismus immer stärker in den Gesellschaften etabliert, und so der Gesellschaft des menschlichen beraubt, haben auch immer mehr Menschen Angst davor, eines Tages keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr zu haben. Das ist die Grundangst der Menschen in der heutigen Zeit.

Aus der Grundangst heraus, selbst irgendwann ein Opfer des ökonomischen Faschismus zu sein, werden sie ökonomische Faschisten. Sie stellen sich auf die Täterseite um nicht auf der Opferseite stehen zu müssen.

Der ökonomische Faschismus zeichnet sich durch seine sich selbst verstärkende Eigenschaft aus. Fängt man einmal damit an, wirds immer schlimmer. Am Ende dieses Prozesses, ist jede soziale Interaktion innerhalb der Gesellschaft in ein Kosten/Nutzen-Verhältnis übertragen worden, und jegliches Menschsein wird mit der Opferrolle belohnt. Die Endstufe ist damit die komplett entsolidarisierte Gesellschaft. Jeder kämpft nur noch für sich.

In Deutschland hatten wir mal eine soziale Marktwirtschaft. Jetzt nur noch eine Marktwirtschaft. An dieser Entwicklung kann man den ökonomischen Faschismus wunderbar sehen. Weniger soziales und mehr kapitales.

 

Wer ist ein ökonomischer Faschist?

Beispiele:

Jeder, der z.B. bei einem Arbeitslosen ständig nur dessen Kosten erwähnt und alle anderen Eigenschaften, die ihn als Mensch auszeichnen, unter den Tisch fallen lässt.

Jeder, Arbeitgeber, der einen Arbeiter rausschmeißt, weil er diesen für faul hält. Denn das heißt nichts anderes, als das der Arbeitnehmer nicht den vom Arbeitgeber erhofften wirtschaftlichen Nutzen hatte.

Jeder, der z.B. Arbeitslose ständig als faul bezeichnet. Wären sie reiche Arbeitslose, würden sie nicht als faul bezeichnet werden.

Jeder, der bei Flüchtlingen und Asylbewerbern ständig nur die Kosten erwähnt.

Und zu guter letzt, allgemein jeder, der andere Menschen auf ihren wirtschaftlichen Nutzen reduziert ohne die menschlichen Eigenschaften dieser Menschen einzubeziehen.

 

Wenn ihr euch mal durch den Kopf gehen lasst, mit welcher Meinung ihr das letzte mal einem Bettler oder einem Obdachlosen gegenüberstandet; habt ihr ihn auf seinen ökonomischen Nutzen reduziert? Wenn ja, dann seit ihr Täter im ökonomischen Faschismus.

 

Das wars…


5 comments on “Ökonomischer Faschismus

  1. Eisentor sagt:

    Ist deine Definition von „Faschismus“ nicht etwas zu allgemein gehalten? In jeder Gesellschaft zu jeder Zeit gibt es Personengruppen die „ausgegrenzt“ wurden. Sind sie darum alles Faschisten?
    Zu Faschismus gehört mehr als nur die Ausgrenzung einer Personengruppe.

    • darek sagt:

      Hallo Eisentor, danke für die Frage.

      Unter der Definition „Faschismus“ verstehe ich das Ausgrenzen einer Gruppe von Menschen, anhand eines Merkmals UND deren Entwertung durch die Angehörigkeit zu dieser Gruppe.

      Du hast recht, wenn du sagst, das schon immer Menschen ausgegrenzt wurden in allen Epochen. Dies ist heutzutage auch so.
      Dies hat nicht immer etwas mit Faschismus zu tun, das stimmt. Da habe ich mich vllt. unklar ausgedrückt.
      Dies kann auch einfach nur „normale“ Diskriminierung sein („Ausschließung“ von Menschen durch Merkmal) oder „normale“ soziale Abgrenzung (z.B. „Familie“).
      Zum Faschismus wird es, wenn die Ausgrenzung einer Gruppe begleitet ist von einer Entwertung bzw. Abwertung der Gruppe. Dazu gehört z.b. auch das Aufbauen eines Feindbildes, welches ja eine Entwertung darstellt wie: „Die sind böse und müssen bekämpft werden“.

      Findet dagegen eine Ausgrenzung statt, ohne die Ausgegrenzten zu entwerten, ist das natürlich kein Faschismus.

      Die Frage, ob damit jeder ein Faschist ist, nur weil er jemanden Ausgrenzt oder sich zu jemanden abgrenzt, beantworte ich daher mit: nein.

  2. Eisentor sagt:

    Moment, deine Beispiele gehen natürlich mit einer Abwertung der Ausgegrenzten oder einer Aufwertung der Ausgrenzenden einher. Warum grenze ich Wildpinkler aus? Weil ich denke das „man“, wenn man guterzogen oder sozial eingestellt ist, das nicht macht. Damit beruht das das Ausgrenzen auf dem Merkmal „offen unsozial“. Wichtig ist das das Merkmal anhand dessen ich Ausgrenze keines ist das unreflektiert einer Gruppe von Menschen zuweist ohne das diese daran etwas ändern könnten.

    Was du eigentlich meinst ist das Gruppen ausgeschlossen werden aufgrund von Merkmalen die einer Gruppe zugeschrieben werden ohne das die einzelnen Mitglieder der Gruppe durch ihr eigenes Verhalten etwas daran ändern könnten.
    Ob man dieses Verhalten schon zur Bezeichnung Faschismus ausreicht werden sicher viele verneinen. Ob das Regime der DDR faschistisch war weil es Kapitalisten abgewertet und ausgegrenzt hat? (Ob die DDR ein Faschistischer Staat war ist hier unerheblich, wenn dann sicher nicht nur aufgrund dieser einen Eigenschaft.) Wenn ich so eine Behauptung aufstellen würde bekäme ich zurecht starken Widerspruch.

    • darek sagt:

      > Moment, deine Beispiele gehen natürlich mit einer Abwertung der Ausgegrenzten
      > oder einer Aufwertung der Ausgrenzenden einher. Warum grenze ich Wildpinkler
      > aus? Weil ich denke das “man”, wenn man guterzogen oder sozial eingestellt
      > ist, das nicht macht. Damit beruht das das Ausgrenzen auf dem Merkmal
      > “offen unsozial”. Wichtig ist das das Merkmal anhand dessen ich Ausgrenze
      > keines ist das unreflektiert einer Gruppe von Menschen zuweist ohne das diese
      > daran etwas ändern könnten.
      > Was du eigentlich meinst ist das Gruppen ausgeschlossen werden aufgrund von
      > Merkmalen die einer Gruppe zugeschrieben werden ohne das die einzelnen Mitglieder
      > der Gruppe durch ihr eigenes Verhalten etwas daran ändern könnten.

      Genau das meine ich. Ack. Abwertung einer Gruppe über ein bestimmtes Merkmal, ohne das diese Menschen etwas daran ändern könnten. Im ökonomischen Falle, wäre das so, das man diese Menschengruppen pauschal über ihre wirtschaftliche Verwertbarkeit abwertet. Und dies ist ökonomischer Faschismus. Wenn ich dagegen allerdings jemanden abwerte, der sich ökonomisch an der Gesellschaft bereichert, nach dem Motto „sowas macht man nicht“, dann hat dies natürlich nichts mit Faschismus zu tun. Da sind wir uns dann glaube ich einig.
      Allerdings müsste man sich evtl. noch mal mit dem Begriff „soziale Leitkultur“ auseinandersetzen, wenn man das Thema „sozial, unsozial und asozial“ angeht. Denn die Definition von „sozial“ ist je nach Kulturkreis ein wenig anders ausgestaltet.

      > Ob man dieses Verhalten schon zur Bezeichnung Faschismus ausreicht werden sicher
      > viele verneinen.
      Das ist die Frage. Ab wann beginnt der Faschismus? Das könnte man vllt. dadurch beantworten, ob die Definition nach dem Motto „pauschaule Abwertung einer Gruppe über ein Merkmal“ noch schlimmer kommen kann. Ist es erst dann Faschismus wenn Menschen sterben? Oder ist es erst dann Faschismus, wenn die ausgegrenzte Gruppe aus dem Land geschmissen wird? Oder ist es erst dann Faschismus wenn bestimmte Begriffe benutzt werden wie „Untermenschen“, „niederwertig“ oder dergleichen? Oder ist es erst dann Faschismus, wenn sich diese Abwertung von Gruppen mit Rassismus „vereint“? Was meinst du? Wo ist da die Grenze?

      > Ob das Regime der DDR faschistisch war weil es Kapitalisten abgewertet und
      > ausgegrenzt hat? (Ob die DDR ein Faschistischer Staat war ist hier unerheblich, wenn
      > dann sicher nicht nur aufgrund dieser einen Eigenschaft.) Wenn ich so eine Behauptung
      > aufstellen würde bekäme ich zurecht starken Widerspruch.

      Das Thema DDR wird ja eh kontrovers diskutiert. Dazu müsste man sagen, dass die DDR keine Kapitalisten ausgegrenzt hat, sondern den „Westen“, also den „Klassenfeind“. Alles was aus dem Westen kam, war per se schlecht. Obwohl selbst das heuchlerisch war, da man auch mit dem Westen Geschäfte gemacht hat. Wenn man einen Wirtschaftsvergleich anstellen möchte zwischen der BRD und der DDR, so könnte man in der BRD auf eine „soziale Marktwirtschaft“ verweisen, und in der DDR auf eine „soziale Planwirtschaft“. Kapitalistisch war beides.
      Ob das DDR-Regime faschistisch war, müsste man nach meiner Definition mit „ja“ beantworten, wenn es um den Kampf gegen „den Westen“ ging. Die Gruppierung der ausgegrenzten Menschen erfolgte über das Merkmal „geografisch“ oder „Leitkultur“. Und jeder der nicht am „richtigen“ Ort wohnte oder nicht der Leitkultur der DDR entsprach, wurde deutlich darauf „hingewiesen“ (Abstrafungen, Gefängnis, Ausweisung). Auch die Einweisung in „Heilungsanstalten“ und ins Gefängnis, wenn man nicht arbeiten wollte, war teilweise vorhanden. Auch eine Ausgrenzung des fast kompletten Volkes, weil man ihm nicht trauen kann (Pauschal, ohne dass die Mitgleider des Volks irgendwas hätten machen können), durch die Stasi, gehört mit zum Faschismus. Von daher, kann man der DDR-Regierung durchaus Faschismus auf diesen Gebieten vorwerfen. Natürlich muß man der Ausgewogenheit halber sagen, dass der Sozialstaat der DDR dafür „gut“ als Kompensation hergehalten halt. Wenn man nicht gerade die „falsche Meinung“ hatte, hatte man ein gutes und abgesichertes Leben.

      Siehst du das anders? Muß erst eine Grenze gefunden werden für die Verwendung des Begriffs Faschismus, bevor man diesen Begriff verwenden kann? Und wenn ja, wo liegt diese?

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