„Wettbewerb bringt das Beste hervor“

24. November 2014 | By darek | Filed in: Allgemein.

Diesen Satz hört man sehr oft, wenn es um Wirtschaft, Kreativität oder Leistung geht. Überall wo Wettbewerb herrscht, wird der Wettbewerb damit begründet, dass sich aus ihm heraus das Beste ergibt, und der Wettbewerb selbst damit gerechtfertigt ist. Das Problem dabei ist aber, dass die Aussage falsch ist.

Richtig, müsste die Aussage lauten:

„Wettbewerb bringt das Erfolgreichste hervor“

Und dieses „Erfolgreichste“ kann das Schlechteste oder Beste sein, oder irgendwas dazwischen. Die pauschale Aussage, dass Wettbewerb etwas gutes ist für die Menschen, ist nicht haltbar.

Dazu ein paar Beispiele:

Wir suchen uns jetzt Orte aus, an dem knallharter Wettbewerb herrscht und schauen uns an, ob dieser Wettbewerb zur besten Situation für die Menschen führt.

„Slums“:

Auch Armenviertel genannt. Viele Großstädte auf dieser Welt, haben konzentrierte Armenviertel. Dabei müssen es nicht immer nur 3.-Welt-Länder sein, denn es gibt sie auch in Industrieländern. Innerhalb dieser Slums tobt ein täglicher Kampf ums „über-die-Runden-kommen“. Also ein knallharter Wettwerb zwischen den Menschen selbst in diesen Slums um zu wenig Resourcen. Dieser Wettbewerb führt automatisch dazu, dass die Menschen Strategien und Verhaltensweisen „erzeugen“ die dazu führen, dass man diesen Wettbwerb erfolgreich besteht.

Erfolgreiche Strategien: Gewalt und Kriminalität.

Menschen in Slums, die Gewalt anwenden können und kriminell sein können, sind erfolgreich in diesem Wettbewerb. Je mehr sie Gewalt und Kriminalität anwenden können, desto erfolgreicher sind sie. Ein Drogenboss zu sein, dafür muß man schon ein Menge krimineller Energie aufwenden. Das kann nicht jeder. Ein pazifistisches Verhalten dagegen, wird in einem Slum nicht erfolgreich sein. Selbst dann, wenn man nur Verteidigungsgewalt anwendet.

Und nun die entscheidende Frage: Sind die erfolgreichen Strategien (Gewalt und Kriminalität) das Beste für die Menschen? Die Frage ist rethorisch und die Antwort lautet entsprechend: Nein! Denn den Menschen geht es in den Slums dadurch nicht besser.

 

Bildung:

Innerhalb unseres Bildungssystems steigen die Anforderungen an die Schüler immer weiter. Sie sollen soviel Wissen wie möglich haben, und das am besten in immer weniger Zeit. Damit das klappt, gibt es Wissensanforderungen die ständig bewertet werden. Diese Bewertung findet durch Zensuren statt. Bringt man Lernleistung, wird dies belohnt, bringt man sie nicht, wird es bestraft. Die Schüler befinden sich in einem starken Wettbewerb mit viel Leistungsdruck. Die Frage lautet: Welches ist die erfolgreichste Strategie um in diesem Wettbewerb zu bestehen?

Antwort: So viel Wissen wie möglich aufnehmen, in der Klassenarbeit anwenden, und das Wissen wieder vergessen. Man könnte es auch Just-In-Time-Wissen nennen. Oder wenn man es zugespitzer haben möchte: Bulemielernen. Wissen so schnell wie möglich fressen und dann bei Bedarf auskotzen. Diese Strategie ist die erfolgreichste, um den Wettbewerb in unserem Bildungssystem zu bestehen. Derjenige, der das am besten kann, hat die besten Noten und „gewinnt“ diesen Wettbewerb. Die erfolgloseste Strategie ist es, sich mit dem Wissen auseinanderzusetzen und es zu verstehen. Denn das kostet zuviel Zeit und mündet aufgrund der Stoffdichte, in ein nicht-mehr-mitkommen, und damit zu schlechten Noten und damit zum Mißerfolg. Und nun die Frage: Ist die erfolgreichste Strategie auch die beste? Antwort: Nein!

Für die Leser die sich Gedanken um unser Bildungssystem machen, eine kleine Inspiration: Unser Bildungssystem ist ein Klugheitssystem. Was wir aber benötigen, ist ein Weisheitssystem.

 

Politik:

In Deutschland haben wir, aufgrund der staatlichen Strukturen, eine Parteienlandschaft die sich in einem starken Wettbewerb befindet. Es gibt viele Parteien und viele Mitglieder. Auf lokaler Ebene gibt es geschätzt mehrere 100 Parteien. Je weiter man in den Strukturen nach oben schaut, desto geringer wird die Anzahl der Parteien.

Jetzt die Frage: Welche Partei ist am erfolgreichsten? Diejenige, die es schafft, die Bürger zu überzeugen um dann von diesen Bürgern gewählt zu werden. Wie schafft man das? Man muß den Bürgern Versprechungen machen, muss sie medial davon überzeugen das die Partei die richtige ist und muß jede Kritik an der Partei unterbuttern. Die Parteien erzählen den Bürgern also grundsätzlich das, was die Bürger hören wollen. Die Parteien versuchen, die Medien für sich zu benutzen. Dementsprechend stellen sie sich immer „gut“ mit den Medien. Die Parteien versuchen, Kritik unterzubuttern bzw. gar nicht erst Kritik laut werden zu lassen. Dementsprechend müssen sich die Parteien mit den (finanziell) Mächtigen in diesem Land „gut“ stellen. Denn dann haben sie nichts zu befürchten.

Die erfolgreichste Partei ist also diejenige, die die richtigen Wahlversprechen zur richtigen Zeit abgibt, sich mit den Medien gutstellt und sich auch mit den (finanziell) Mächtigen gutstellt. Und diese Parteien sind ganz oben zu finden in diesem Staat.

Nun die Frage: Wird aus diesem Parteienwettbewerb auch das Beste für die Bürger generiert? Antwort: Nein!

Wenn die regierende Partei etwas schlechtes für die Bürger machen will, so nimmt sie die finanziell Mächtigen und die Medien zur Hilfe um die Bürger dumm zu halten. Wenn die regierende Partei etwas schlechtes für die Medien machen will, dann nehmen sich die Medien die finanziell Mächtigen zur Hilfe und erzählen den Bürgern, dass die Politiker blöd sind. Der Bürger wird verdummt. Wenn die Parteien irgendwas schlechtes für die Reichen machen wollen, dann nehmen sich die Reichen die Medien zur Hilfe, die dann wiederum die Politker schlecht machen und das Volk damit verdummen.

Es ist also egal wie man es nimmt, der Bürger ist immer der Dumme, wenn ein Parteiensystem existiert, welches in sich bereits einen Wettbewerb hat. Und das Beste für den Bürger ist das bestimmt nicht.

Innerhalb einer Partei gibt es dann auch noch einen Wettbewerb unter den Mitgliedern. Derjenige der der Partei am treuesten ist, und immer auf Parteilinie agiert, wird der erfolgreichste sein. Je höher man in einer Partei also kommt, desto mehr muß man ein „Ja-Sager“ gewesen sein. Und man stelle sich mal eine Kanzlerin vor, die Ja-und-Amen zu allem sagt, was sie diktiert bekommt. Grausame Vorstellung, aber sowas haben wir ja *hust* zum Glück nicht.

 

Markt:

Der freie Markt, ist der Inbegriff des freien Wettbewerbs. Die Forderung unserer heutigen Zeit, ist ein Abbau von Regulierungen, damit der Markt noch freier sein kann. Das wiederum heißt nichts anderes, als den Wettbewerb noch zu verstärken durch weniger Regeln.

Welcher Wirtschaftsteilnehmer ist am erfolgreichsten?

Für Unternehmen gilt: Je größer der Profit, desto erfolgreicher das Unternehmen. Ein Unternehmen muß dementsprechend alle Möglichkeiten in Betracht ziehen um seinen Profit zu steigern und auf der anderen Seite dafür sorgen, dass von diesem Profit so wenig wie möglich weggenommen wird (z.B. durch Steuern). Ein Unternehmen was dabei herauskommt, hat das beste für sich selbst gemacht. Aber für die Menschen um dieses Unternehmen herum, ist es eher das schlechteste. Denn der Profit der Unternehmen kommt von den Menschen drumherum und inneralb der Firma.

Für den Arbeiter gilt: Je geringer der Lohn, desto erfolgreicher ist ein Arbeiter auf dem Arbeitsmarkt. Dies ist zwar das erfolgreichste für diesen Arbeiter, aber nicht das Beste.

 

Sport:

Im Leistungssport, egal welcher, findet ein knallharter Wettbewerb um Leistung statt. Erfolgreich ist derjenige Sportler, der am meisten Leistung bringt. Der Wettbewerb führt dazu, dass sich einige Sportler, aufgrund von Leistungsdefiziten, aufs Doping konzentrieren. Dies ist nicht unbedingt immer das beste für den Sportler selbst. Denn er riskiert damit öfter mal seine Gesundheit.

 

 

Fazit:

Immer wenn jemand sagt, dass Wettbewerb gut ist, und das Beste hervorbringt, so hat er nicht verstanden wie Wettbwerb funktioniert. Wettbewerb bringt immer das erfolgreichste hervor. Das Erfolgreichste kann aber das Beste ODER das Schlechteste  für die Menschen sein. In den meisten Fällen eher das Schlechteste. Auch solche Aussagen wie „mehr Wettbewerb wagen“ oder „staatliche Bereiche dem Markt und dem Wettbewerb öffnen“ führen sehr häufig dazu, dass eher das schlechteste für die Menschen dabei rauskommt, aber wenigstens das erfolgreichste.

Dementsprechend muß der künstliche Wettbewerb weg, wenn wir wirklich das Beste für die Menschen wollen.

 

Das wars…


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