Heute sind wir mal ein bischen verrückt: Ein neues Verkehrskonzept

31. August 2014 | By darek | Filed in: Allgemein.

Heute möchte ich mal ein bischen an unser Verkehrskonzept in Deutschland rangehen und eine Alternative aufzeigen. Ziel soll sein, unseren Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten und dabei auf keinen Komfort zu verzichten. Das Thema selbst ergibt sich aus vielerlei Themen, die in letzter Zeit verstärkt medial verarbeitet werden. Sei es nun Carsharing, Mitfahrdienste wie Uber, Umweltzonen für Städte, Straßenbauprobleme, bzw. Finanzierungsprobleme, Mautabgaben, steigender Güter- und Personenverkehr, autonome Autos, Paketdrohnen etc.

 

Da unser Verkehrskonzept ein sehr komplexes Konzept ist, nehme ich erstmal einen einfachen Sachverhalt heraus, um dann auf diesen aufzubauen. Die ganze Idee macht also erst Sinn, wenn man diesen Beitrag bis zum Ende liest. 😉

Fangen wir an, und nehmen uns mal die private Einkaufsfahrt vor in vereinfachter Form.

Ich möchte also in den Supermarkt um einzukaufen. Was passiert da eigentlich?

Ich verlasse meine Haus, steige in mein Auto ein, fahre hier ca. 5km zum Supermarkt, verlasse mein Auto, kaufe ein, lade ein ins Auto, fahre wieder 5km nach Hause und trage den Einkauf in mein Haus.

Wenn wir uns das ganze mal anschauen, nur unter Berücksichtigung der Gewichte und der Energie, dann sieht das wie folgt aus:

Ich verlasse mein Haus, steige in mein Auto ein. Dann bewege ich mein Auto und mich, im Gesamtgewicht von ca. 1080Kg 5km weit zum Supermarkt. Ich kaufe ein, lade dann ca 20Kg Einkauf in mein Auto und bewege dann 1100Kg wieder 5km weit zu mir nach Hause, dort lade ich 20Kg Einkauf aus und bringe ihn ins Haus.

Die Gesamtbilanz für Hin- und Rückfahrt sieht wie folgt aus:

Hinweg: 1080Kg auf 5km

Rückweg: 1100Kg auf 5km

Der Durchschnitt auf die Gesamtstrecke sieht wie folgt aus: 1090Kg auf 10km.

Wenn ich annehme, dass ich für diese Kurzstrecke einen Verbrauch von 5L Benzin auf 100km habe, dann habe ich für diesen Einkaufsvorgang 0,5L Benzin verbraucht.

Das ist erstmal der reale Stand der Dinge.

Jetzt bin ich mal ein bischen verrückt und mache das anders.

Ich nehme mir meinen Einkaufskorb und bau da einfach einen kleinen Verbrennungsmotor ran und einen Benzintank. Dazu noch ein Smartphone für die GPS-Ortung und die Wegesteuerung des Einkaufskorbs. Der Korb selbst ist ja meistens aus Plastik, also diese klappbaren Dinger, und hat im Maximalfall ein Gewicht von 1Kg. Dazu noch der Motor + Zubehör und Benzin, macht nochmal 10Kg dazu. Das Gefährt hat also ein Gesamtgewicht von 11Kg.

Nun möchte ich einkaufen und gebe meinem motorisiertem Korb die Anweisung zum Supermarkt zu fahren. Er fährt also los und bewegt 11KG auf 5km und ist dann da. Während er fährt, rufe ich beim Supermarkt an und sage was ich alles haben möchte. Der Supermarkt sagt, ok, ist ungewöhnlich, aber solange der Preis stimmt, passt das. Im Supermarkt wird mein motorisierter Einkaufskorb dann mit 20Kg Einkaufswaren beladen. Bezahlen erfolgt per Internet. Der Einkaufskorb macht sich dann wieder auf den Heimweg und hat nun ein Gesamtgewicht von 11Kg + 20Kg, also 33Kg. Diese auch wieder auf 5km.

Wenn ich den Durchschnitt ausrechne, habe ich auf 10km durchschnittlich 22Kg bewegt. (11Kg + 33Kg) / 2.

Jetzt ist die Frage, wieviel Benzin ich verbraucht habe. Wenn ich mal GANZ blauäugig einen Dreisatz auf das Gewicht und den daraus korrelierenden Verbrauch anwende:

0,5L/1090Kg = X/22Kg -> x= (0,5L*22Kg)/1090Kg = 0,01L

komme ich also auf einen Verbrauch von 0,01Liter Benzin auf die 10Km.

Im Vergleich mit dem Auto, hätte ich also nur 1/50 des Benzinverbrauchs.

Bei gleicher Aufgabe, und sogar gesteigertem Komfort, da ich ja nicht das Haus verlassen muß, verbauche ich weniger Benzin. Und zwar um den Faktor 50 weniger.

Der Grund dafür ist einfach die Reduzierung des Overheadgewichts. Also des überflüssigen Gewichts. Bei einer Paketdrohne, die man zum Einkaufen benutzen würde, wäre es der gleiche Effekt und bei autonomen Autos, würde man das Gewicht des Fahrers nicht mitbewegen müssen.

Wenn wir also das Verhältnis von Traglast zu Nutzlast verbessern, können wir Energie sparen in Form von Benzin, im Falle des Autos.

Wir hätten natürlich noch einige Nachteile dabei, die gelöst werden müssen:

– Diebstahlschutz für unterwegs

– Verkehrssicherheit

– Das Tanken müsste umgestaltet werden, da der Einkaufskorb aus Effizienzgründen nicht an die Tankstelle fahren sollte

– und noch ein paar andere Sachen

 

Bei diesem Konzept würden wir Energie sparen beim Einkaufen. Aber mit dem Auto machen wir ja noch ganz andere Dinge. Wir fahren zur Arbeit, fahren zu Behörden, verreisen, fahren zu Bekannten, fahren unsere Kinder in die Schule, fahren zu Ärzten, zum Baumarkt und und und.

Daher würde ich dieses neue Konzept erweitern, damit wir nochmehr damit machen können. Gleichzeitig will ich noch mehr Gewicht einsparen bei so einem Korb.

Dazu muß das Antriebssystem des Korbes, also Motor, Steuerung, Räder etc, vom Korb ab, und in die Straße integriert werden. Dabei versuche ich aber gar nicht erst unsere Asphaltstraßen neu zu erfinden, sondern gehe gleich einen anderen Weg.

Wir nehmen uns dazu einfach mal die bewehrte Förderbandtechnik vor.

Ich statte also die oben genannten 5km von mir zum Supermarkt, einfach mal mit Förderbändern aus. Das Geld dafür hab ich, wie jeder andere auch, unter meiner Matraze liegen ^^.

Diese Förderbänder teile ich einfach in 2Meter-Stücke ein, damit nicht das ganze Förderband bewegt werden muß. Es wird dann immer nur der Abschnitt bewegt, auf dem der Korb gerade ist.

Ich stelle meinen normalen Plastikkorb also aufs Förderband, und sage dem Förderband dann, dass es den Einkaufskorb zum Supermarkt bringen soll. Dort packt man ihn wieder voll und schickt ihn per Förderband zurück.

Der reine Transport, der nun elektrisch funktioniert, sollte das Korbgewicht bewegen und das Gewicht des Förderbands selbst, meistens ja irgendeine Gummimatte oder so. Der Energieverbrauch gegenüber der alten Methode mit dem Auto, ist wieder hervorragend, durch das Einsparen von Gewicht.

Der Nachteil dabei sind selbstverständlich die Kosten für den Bau des Förderbandes und dessen Wartung und dessen Betriebskosten. Wenn ich ein Förderband auf 5km baue, dann muß ich schon ein paar Millionen investieren. Aus ökonomischer Sicht, ist dies also absoluter Wahnsinn.

Das Ziel ist also: Es muß ökonomischer werden.

Ich gehe also zu meinem Nachbarn und frage ihn, ob er auch mitmachen will bei meinem Förderband. Er sagt ja, und wir erweitern das Förderband einfach um 25 Meter zu seinem Haus. Dann mache ich natürlich geltend, dass ich ja Millionen bezahlt habe und er die Hälfte der Gesamtkosten übernehmen soll. Da er auch, wie jeder andere, viel Geld unter seiner Matraze hat, willigt er ein und die Gesamtkosten fürs gesamte Förderband sind nur noch halb so groß für jeden. Das lässt sich dann weiterrechnen: Je mehr Teilnehmeranschlüsse vorhanden sind, desto mehr werden die Kosten auf die Teilnehmer umgelegt und für jeden wird es billiger.

Wenn wir also von knapp 1000Teilnehmern ausgehen, auf beiden Seiten der 5km Förderbandstrecke, dann kommen wir auf einen Kostenpreis pro Person von unter 5000Euro pro Anschluss.

Wie hat sich dieses Förderband nun entwickelt bei steigernder Teilnehmeranzahl?

1. Im Förderbandsystem gibt es viele Weichen, die das Transportierte an genau den Teilnehmeranschluss liefern, an das es geliefert werden soll.

2. Aus dem einfachen Förderband zwischen den Teilnehmeranschlüssen und dem Supermarkt, ist nun eine „zwei-gleisige“ Sache geworden, da Hin- und Rücktransport gleichzeitig funktionieren muß.

3. Da ein Teilnehmer nicht immer nur ein Privatmensch ist, haben sich auch Geschäfte einen Teilnehmeranschluss geholt. Supermärkte sind da nur die Speerspitze.

Was ginge also bisher?

1. Einkauf. Übers Internet bestellen und bezahlen und dann Korb liefern an den Supermarktanschluss und dann den Einkauf liefern lassen nach Hause. Es würden auch die Metalleinkaufskörbe wegfallen beim Supermarkt. Man bräuchte auch keine Plastiktüten mehr, um den Einkauf vom Laden ins Auto und vom Auto ins Haus zu tragen.

2. Per Internet Pizza bestellen und einfach per Förderband nach Hause liefern lassen.

3. Post. Ich brauche eigentlich keinen Briefkasteneinwurf mehr, sondern kann den Brief direkt von Teilnehmeranschluss zu Teilnehmeranschluss schicken.

4. „Essen auf Rädern“: Einfach das Essen nicht mehr per Kurierfahrer ausliefern lassen, sondern direkt per Förderbandsystem.

5. Zeitungen: Man bräuchte auch keine Zeitungsausträger mehr, da man die Zeitungen per Förderbandsystem zusenden könnte.

6. Müll bräuchte nun nicht mehr über die Mülltonne entsorgt werden, sondern könnte gleich zur Mülldeponie transportiert werden.

Dem einen oder anderen fallen da bestimmt noch ein paar andere Sachen ein.

 

Zwischenfazit:

Wir hätten also nun ein Förderbandsystem, welches parallel zur Straße existiert. Alles was eine bestimmte Größe nicht überschreitet, kann nun automatisch transportiert werden, und das ganze auch energieschonender. Ökonomisch aber nur sinnvoll wenn viele mitmachen.

Als nächstes schauen wir uns an, was eigentlich noch so transportiert wird auf der Straße. Da fällt mir sofort der Güterverkehr ein, in Form von LKW-Fahrten.

Kann man es also hinbekommen, dass, was mit LKWs transportiert wird, auch per Förderbandsystem zu transportieren? Auf den ersten Blick nein, da mit diesem System kein Großlasttransport möglich ist.

Um dies also hinzubekommen, müsste das Förderbandsystem größer dimensioniert werden. Dabei muß aber das alte Förderbandsystem beibehalten werden, da man sonst mit Kanonen auf Spatzen schießt.

Eine vernünftige Transportgröße, auf die man sich einigen kann, ist der sogenannte ISO-Container. Dies sind genormte Container für den Gütertransport in verschiedenen Größen. Diese Container werden von LKWs transportiert oder von Containerschiffen. Das sind die stapelbaren Container. Wir müssten also unser Förderbandsystem auf die Größe eines 20-Fuß-Containers auslegen und auf dessen mögliches Gewicht. Welches man nicht unterschätzen sollte. Der technische Aufwand ist also nicht gerade wenig. Energetisch muß man an dieser Stelle den LKW und dieses groß dimensionierte Förderband vergleichen. Die Zugmaschine (LKW) und dessen Gewicht, würde beim Transport wegfallen, man würde also wieder Transportenergie einsparen. In welchem Verhältnis, kann ich leider nicht sagen, da ich nicht weiß wie schwer die Zugmaschine einen LKWs ist und auch nicht weiß, was für ein technischer Aufwand so ein groß dimensioniertes Förderband wäre. Evtl. kann man es energetisch mit dem Zugverkehr vergleichen. Also vllt. statt Förderband auch Schienen nehmen. Aber das können nur entsprechende Experten beantworten.

Sagen wir aber mal, dass das geht. Damit könnten wir Container automatisch per Förderbandsystem von Teilnehmeranschluss zu Teilnehmeranschluss schicken. Je mehr Teilnehmer mitmachen, desto billiger wirds für jeden. Für die Firmen, die Güter in größeren Mengen transportieren, kann sich so ein Anschluss rechnen, wenn genug mitmachen.

Zu diesem Zeitpunkt hätten wir also ein Förderbandsystem, welches in seiner Grundfunktion kleinere Sachen transportieren kann, also Einkäufe, Pizzen, Medikamente etc. und parallel dazu ein größeres System mit dem man größere und schwerere Güter transportieren kann.

Dies könnten sein:

1. Möbel

2. sämtliche Kurierfahrten unter 7,5t

3. Maschinen

4. Produkte in größerem Umfang. (Besser 1 Container, als 20 Einkaufskörbe)

usw.

Im Grunde genommen können wir fast den kompletten Güterverkehr damit abwickeln. Was nicht ginge, wären Produktteile, die einfach zu groß sind. Z.B. Rotorblätter für Windkraftanlagen, Schiffsmotoren, Brückenteile etc. Also Sachen, die normalerweise Schwerlasttransporte übernehmen.

Zwischenfazit:

Den Güterverkehr per Straße gibt es nicht mehr, dies wird durch automatisch transportierte Container erledigt. Den Kleingüterverkehr auf der Straße gibt es auch nicht mehr, da dies auch durchs Förderbandsystem automatisch geschieht. Dies führt zu einer sehr großen Energieeinsparung und damit auch zu einem deutlich reduzierten Ölverbrauch in Sachen Benzin und Diesel.

 

Nun kommen wir zum letzten Punkt.

Das letzte was jetzt noch auf den Straßen transportiert wird, sind Menschen. Überlegen wir uns also, ob wir es schaffen, dass wir auch Menschen mit diesem System transportieren können.

Eigentlich ist das schon bereits an diesem Punkt möglich. Ich brauche ja einfach nur einen ISO-Container ein bischen aufpeppen. Sitze rein, schön gestalten und schon haben wir sowas wie einen kleinen Bus. Also vllt. 6 bis 8 Plätze oder so.

Dann bauen wir unsere Bushaltestellen um, so das sie auch einen Anschluss an das Containertransportsystem haben. Man gibt auf einem Touchscreen ein, wo man hinmöchte, also zu welcher anderen angeschlossenen Haltestelle, dann wartet man auf einen Personentransportcontainer, in diesen steigt man dann ein, der transportiert einen dann automatisch, und ohne das einem schlecht wird, zur gewünschten Haltestelle. Fertig.

Energetisch lohnt sich dies aber nur, wenn der Container selbst, weniger wiegt als ein Auto. Dann können die Leute auch zur Arbeit pendeln damit, wenn das Transportsystem weit genug ausgedehnt wurde. Oder verreisen oder zu Bekannten fahren, oder die Kinder in die Schule schicken oder zum Arzt fahren oder oder oder.

Wir hätten alle Dinge, ausser die Schwerlasttransporte, Rettungsfahrzeuge, Feuerwehrfahrzeuge etc, in ein automatisches Förderbandsystem umgeleitet, welches sehr viel Energie spart. Abgase, Feinstaub etc. wäre alles nicht mehr relevant. Wir hätten sogar eine Art Carsharing umgesetzt. Nur das es jetzt ein Container-Sharing wäre.

Die Frage die dann bleibt:

Wozu brauchen wir eigentlich noch ein Auto?

Wenn ich was brauche, dann bestelle ich es und es wird mir geliefert. Wenn ich irgendwo hinwill, gehe ich zur nächsten Containerhaltestelle und ich kann zu jeder anderen Haltestelle in ganz Deutschland, wenn das System weit genug ausgebaut ist. Ich brauche also kein Auto mehr. 

Ich stehe auch nicht mehr in Staus, Unfälle fallen weg, da der Mensch als Fehlerquelle beim Transport wegfällt. Und wenn die Geschwindigkeit im Transportsystem selbst eine sehr hohe ist, dann spare ich durch einen automatisch geregelten Transportfluß auch noch Zeit. Es gibt auch keine Wildunfälle mehr, und die Witterung ist irrelevant, wenn das System gut geschützt ist.

 

Kommen wir zur Optik.

Überall Förderbänder rumstehen zu haben, sieht voll blöd aus. Daher müssen die Förderbänder versteckt sein. Dazu gibt es nur die Möglichkeit, diese unter die Erde zu verfrachten. In Form von Tunneln. Das ist ökonomisch natürlich nicht so schön, aber notwendig. Und wenn ich unter der Erde bin mit diesem System, dann kann noch so viel Sonne scheinen, es kann noch so viel schneien, es kann noch so viel regnen….unter der Erde ist diese Anlage geschützt bei gleichbleibenden Witterungsbedingungen. Bei, an der Oberfläche liegenden Straßen, sind die Witterungsschäden eines der größten Übel. Diese würden nun wegfallen. Der Verkehrslärm würde nun auch wegfallen.

 

Fassen wir also mal zusammen:

Wir reden von einem automatischen Transportsystem, in dem zwei verschiedene Gütermaße transportiert werden können, und das ganze innerhalb von ganz Deutschland. Und dieses Transportsystem liegt komplett unter der Erde. Es gibt Hausanschlüsse für Kleingüter (Einkauf, Pizza etc.) und offene Anschlüsse für Großgüter (Haltestellen für Personentransport alle 100m in Dörfern und Städten, Firmenanschlüsse für Gütertransport etc.).

Unsere Straßen bräuchten wir nicht mehr, und wir können sie komplett in Fußgängerzonen und Radwege umwandeln. Problem machen aber trotzdem noch die Schwerlasttransporte. Traktoren können dann ja Feldwege nutzen.

 

Kommen wir nun erstmal zur Energiefrage:

Wir ersetzen das Benzin und den Diesel durch Elektrizität. Diese muß natürlich extra bereitgestellt werden. Da gibt es verschiedene Konzepte die möglich wären. Entweder man macht ein auf Tiefenwärme, wenn man eh schon buddelt. Oder man stattet die nun überflüssigen Straßen, die nun Radwege und Fußgängerzonen sind, mit trittfesten Solarpanelen aus, oder man setzt auf die üblichen regenerativen Energien oder auf Verbrennungsenergie.

Rein technisch ist es möglich, dass wir unser Transportwesen komplett Ölfrei gestalten. Was gar nicht so schlecht wäre.

 

Als nächstes: Welche Größenordnung ist das eigentlich?

Wir wollen die Straßenkilometer und die Schienenkilometer ersetzen.

Das Straßennetz in Deutschland, befestigte und unbefestigte Straßen, bundesweite und gemeindeeigene Straßen, beträgt knapp 644.000km ( http://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fennetz )

Das Schienennetz in Deutschland hat eine Länge von ca 36.000km.

Zusammengefasst also knapp 680.000km. Dazu rechnen wir noch eine Reserve von 20.000km, damit man leichter rechnen kann, und kommen darauf, dass das neue Transportsystem 700.000km betragen müsste. Da wird einem schon ein bischen schwindlig. Pro Einwohner wären das übrigens ~8,54Meter Verkehrsnetz.

 

Kosten:

Jetzt kommen wir zum unschönen Teil. Den Kosten.

Folgende Arbeiten wären zu erledigen (grob):

– Tunnelbau

– Ausstattung mit Förderbändern, Elektronik, Verkehrssteuerung, Weichen, Überwachung etc.

– Haltestellenbau

– Hausanschlussbau

– Aufbau einer Energieinfrastruktur

– Herstellung von Containern für das Transportwesen

– Herstellung von standardisierten Einkaufskörben (evtl. eine Art Mini-Iso-Container)

 

Tunnelbau:

Was kostet der Tunnelbau für 700.000km?

Zitat Wikipedia:

Der Bau von Tunneln ist sehr investitionsintensiv. So schlägt in Deutschland ein zweistreifiger Straßentunnel, welcher bergmännisch in mittelschweren Bodenverhältnissen hergestellt wird, im Schnitt mit 20.000 Euro pro Meter zu Buche. Dies ist nur ein Durchschnittswert, der nach unten, vor allem aber stark nach oben hin abweichen kann.

20.000Euro pro Meter. Dann rechnen wir doch mal:  puh…das sind 14.000Mrd Euro. Also 14 Billionen Euro. Zum Vergleich: Die Staatsverschuldung Deutschlands liegt offiziell aktuell bei 2,6 Billionen Euro.

Zitat Wikipedia:

Neben den zum Teil enormen Baukosten ist die Unterhaltung des Tunnels ebenfalls sehr kostspielig. So rechnet man im Schnitt mit jährlichen 180.000 Euro Folgekosten pro Kilometer Tunnelstrecke.

Der Unterhalt pro Jahr würde bei 700.000km, alleine für die Tunnel, also 126Mrd Euro kosten. Zum Vergleich: Deutschland gibt aktuell pro Jahr ca 23Mrd für Verkehr aus. Dort ist die digitale Infrastruktur aber auch bei. Subventionen sind dort aber glaube ich nicht enthalten. Ich lasse das also mal so stehen.

 

Als nächstes die Förderbänder, die Elektronik und alles drum herum. Also die komplette Innenausstattung. Dabei vereinfache ich die Rechnung drastisch und sage, dass ich 700.000km einmal mit Kleingüter-Förderbändern und einmal 700.000km mit Großgüter-Förderbändern austatte. Dabei schätze ich folgende Kosten:

Kleingütersystem: 1.000Euro pro Meter

Großgütersystem: 10.000Euro pro Meter

Hieße also, für das Kleingütersystem kämen wir auf 700Mrd Euro und fürs Großgütersystem auf 7.000Mrd Euro, also 7 Billionen Euro.

Die Unterhaltskosten sind schwer abschätzbar, ich nehme aber noch mal die gleichen Werte zugrunde wie für den Unterhalt der Tunnel selbst. Also 180.000Euro pro km. Dann hätte wir 126Mrd Euro für Kleingüter und nochmal 126Mrd Euro für Großgüter. Insgesamt also 252Mrd Euro.

 

Haltestellen:

Ich veranschlage die Kosten für eine Haltestelle auf 1.000.000Euro. Eine Haltestelle wäre eine Vorrichtung, um einen Großgütercontainer aus dem Tunnelsystem zu entkoppeln und ihn an die Oberfläche zu bringen, wo dann etwas eingeladen wird, oder wo Personen einsteigen können, um danach dann wieder ins Tunnelsystem eingekoppelt zu werden.

Wenn wir auf die 700.000km im Schnitt alle 500m so eine Haltestelle hinsetzen würden, dann müssten wir 1,4 Millionen Haltestellen bauen. Bei 1.000.000Euro Stückpreis, wären das dann Kosten von 1,4Billionen Euro.

Der Unterhalt dieser Haltestellen würde ich pro Jahr auf 100.000Euro beziffern. (Vandalismus, Fehlfunktionen etc.)

Dies ergibt bei 1,4Millionen Haltestellen 140Mrd Euro Unterhaltskosten.

 

Hausanschluss:

Ein Hausanschluss selbst ist günstiger, da er nur Kleingütertransporte bedienen muß. Hier denke ich, dass ein Hausanschluss ca. 5000Euro kostet. Bei 40Mio Haushalten in Deutschland, wären das dementsprechend 40Mio Hausanschlüsse. Kosten dafür: 200Mrd Euro.

Den Unterhalt so eines Anschlusses würde ich auf 1000Euro pro Jahr festlegen. Dementsprechend haben wir Unterhaltskosten von 40Mrd pro Jahr.

Wie könnte so ein Hausanschluss aussehen? Kennt ihr die Essensfahrstühle in größeren Häusern? Die führen meistens von der Küche ins Schlafzimmer oder so. Das wäre also eine Möglichkeit.

 

Aufbau einer Energieinfrastruktur:

Kein Plan. Ich mach einfach mal eine Rechnung, die mit der Realität nicht viel zu tun hat. Das Transportsystem läuft 24 Stunden am Tag. Bei Vollauslastung zu jeder Uhrzeit, was nicht real ist, und bei einer Leistungsaufnahme von 1kW pro Meter, wären das 24kWh pro Meter und Tag. Auf 700.000km hochgerechnet, wären das pro Tag: 16,8Mrd kWh. Das ganze noch mal 365, wären dann 6132Mrd kWh im Jahr.

Wenn wir pro kWh einen Preis von 10ct annehmen (Industriepreis), dann kämen wir auf Stromkosten von ~613Mrd Euro im Jahr. Diesen Wert würde ich für den Aufbau des Stromnetzes annehmen und gleichzeitig für den Unterhalt des Stromsystems.

Zum Vergleich: Die Privathaushalte geben aktuell 50Mrd Euro pro Jahr für Kraftstoff aus. Ich schätze mal das die gewerblichen, mehr Geld ausgeben (LKWs, Busse, Taxen, Züge). Ich denke mal, dass da noch 150Mrd Euro dazukommen. Ich schätze also mal, dass 200Mrd Euro für Kraftstoff draufgehen im Jahr.

 

 

Herstellung von Containern für Groß- und Kleintransporte:

Einen schicken Container bekommt man heutzutage schon für 5.000Euro. Wenns eine Sonderanfertigung ist, auch schon mal für 20.000Euro.

Ich rechne im Schnitt mit 5.000 Euro pro Transportvehikel, wenn man Großgüter und Kleingüter zusammenfasst.

Wieviele brauchen wir dafür? Ich sag mal ganz banal: Soviele wie wir Autos haben und soviele wie wir Einkaufskörbe haben. Machen wir das ganze also haushaltsabhängig. 40Mio Autos und 40Mio Einkaufskörbe. Also 80Mio Transporteinheiten. Da diese Transporteinheiten von mehreren Haushalten benutzt werden durchs Sharing, können wir diese Zahl wohl durch 5 nehmen. Also dann 16Mio Transporteinheiten zu je 5000Euro im Schnitt. Damit kommen wir auf 80Mrd Euro Kosten für die Herstellung dieser Transporteinheiten.

Den Unterhalt pro Jahr, würde ich auf 500Euro schätzen pro Einheit. Dementsprechend hätten wir Unterhaltskosten von 8 Mrd Euro pro Jahr.

 

Und das wars dann auch schon.

Kostenzusammenfassung:

Kompletter Bau dieses Systems mit allem drum und dran:

23,993Billionen Euro. Also knapp 24Billionen Euro. Oder 24000Milliarden Euro.

Der Unterhalt pro Jahr würde betragen:

1,179Billionen Euro. Also 1179Milliarden Euro.

 

Puh, thats the worst case.

 

Wenn wir also auf die Idee kommen würden, dies zu tun, dann könnten wir jedes Jahr unseren kompletten Bundeshaushalt von 300Mrd Euro (je nachdem wie man rechnet) ausgeben, und hätten dann  unser Ziel in 80Jahren erreicht. Mal davon abgesehen, dass wir uns die Unterhaltskosten nicht leisten könnten.

Pro Einwohner, wären das übrigens Bauskosten von 300.000Euro und Unterhaltskosten von ca. 14738Euro pro Jahr.

An diesem Punkt muß man sagen, dass die Idee selbst vllt. nicht schlecht ist, es ist ja eigentlich nichts anderes als ein Internet der realen Dinge, aber es ist nicht finanzierbar…….

AUSSER: man macht es günstiger…

Wir wissen, dass Massenproduktion alles billiger macht. Wie sieht das eigentlich mit den Kosten aus, wenn man die ganzen benötigten Dinge in Massenproduktion herstellen würde?

Alleine die Tunnelkosten sind ja so hoch, weil es meistens Einzelprojekte sind, die man jedesmal neu planen muß, neu designen muß etc. Oder überhaupt was Entwicklungskosten angehen.

Oder wie schauts aus mit Förderbändern, die in Massenproduktion hergestellt werden? Da geht doch bestimmt noch was kostentechnisch. Oder in der Containerherstellung.

Falls ein Leser Experte ist, in einem dieser Fachbereiche, kann er ja mal ein bischen rumrechnen und die Preise an die Realität anpassen, unter den Rahmenbedingungen der Massenproduktion. Vllt. kommt man dann ja auf einen Preis der akzeptabel ist.

 

Unabhängig davon, muß man auch die Folgen betrachten, so eines Systems.

Alle Arbeiter, die irgendetwas mit Transport zu tun haben, werden arbeitslos. Das sind mehrere Millionen Menschen in Deutschland. Was machen wir mit denen?

Auch angeschlossene Arbeiter wie Kassierer z.B. Wenn keiner mehr in den Supermarkt geht, braucht es auch keinen Kassierer mehr. Oder jemanden der den Laden aufräumt und sauber macht. Es würde ein Lager reichen, in dem Industrieroboter die Einkaufskörbe füllen. So ein Transportsystem würde die Arbeitswelt massiv verändern.

Unsere Umwelt würde geschont werden durch das Wegfallen der Abgase. Verkehrslärm würde auch wegfallen. Da wir keine Autos mehr brauchen und keine LKW’s, brauchen wir auch keine Parkplätze mehr. Die Flächenversiegelung würde auch wegfallen. Politessen wären auch arbeitslos. Waschanlagen wären nutzlos und müssten schließen. Tankstellen würden dichtmachen. Autoversicherungen wären sinnlos.

Und und und…

 

Also, wer Lust hat, kann ja selber mal ein bischen rechnen und sich ausmalen, was sich noch so verändern würde, wenn wir so ein Transportsystem hätten. Kommentare gerne erwünscht.

 Auch kann man darüber nachdenken, ob Förderbänder wirklich das richtige Mittel sind dafür. Evtl. ginge ja auch Magnetschwebetechnik. Wobei dies aber preislich deutlich höher liegen würde.

 

Das wars…


2 comments on “Heute sind wir mal ein bischen verrückt: Ein neues Verkehrskonzept

  1. Daniel sagt:

    Beim lesen Ihres Artikels musste ich die ganze Zeit an das Tube- (Röhren) System von Futurama denken. (Tube- System Bild)
    Ich denke das wäre realisierbar, günstiger und würde eine menge Spaß machen 🙂

    • darek sagt:

      Hallo Daniel,

      danke für den Kommentar.

      So ein Röhrensystem für Menschen würde mir auch Spaß machen. Den meisten Menschen würde aber wohl eher schlecht werden. ^^

      Aber die Technik der Röhren ist ja mittlerweile wieder veraltet. Vor gar nicht all zu langer Zeit, war dies sehr modern in Form der Rohrpost. Da gabs auch Systeme mit teilweise 100km Länge.
      Jedenfalls laut Wikipedia: Rohrpost

      darek

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.