Back to the roots…..und wieder zurück

8. August 2014 | By darek | Filed in: Allgemein.

Heute beschäftige ich mich mal mit dem Thema „back to the roots“. Damit ist gemeint, dass die Menschen ihre jetzige Lebensweise aufgeben und wieder so leben, wie es die Natur „vorgesehen“ hat. Diesen „Wunsch“ kann man heutzutage an mehreren Fronten beobachten. Seien es nun Aussteiger, Religionen oder bestimmte Weltbilder, all dem gemein ist der Wunsch nach Natürlichkeit. Hier spiele ich das gedanklich mal durch.

Und los gehts…

Erstmal erkläre ich die Beweggründe der einzelnen Protagonisten.

Die Aussteiger:

Dies sind meistens Menschen die entweder keinen Erfolg in den bestehenden Systemen haben oder Menschen die viel Erfolg haben, ihn aber ablehnen aus weltanschaulichen Gründen.

Das Aussteigen selbst, kann gedanklich und/oder körperlich erfolgen. In unserer Gesellschaft z.B. gibt es viele Menschen am unteren Ende der kapitalistischen Nahrungskette, die einfach keine Lust mehr haben auf dieses System. Sie koppeln sich meistens gedanklich vom Staat ab und verfallen in eine Bewegungs- und Gedankenstarre. Sie verharren in ihrer Situation, sind aber gedanklich nicht mehr an die Gesellschaft gekoppelt.

Auf der anderen Seite gibt es dann Menschen die komplett aus dem kapitalistischem System aussteigen und gerne auf „Wanderschaft“ gehen, sich alles zusammenbetteln oder auch gerne auf Bauernhöfe ziehen oder an sonstige Orte, an denen sie sich abgekoppelt vom Rest der Gesellschaft ein eigenes unabhängiges Leben aufbauen. Meistens begleitet von eigenem Nahrungsanbau und eigener Herstellung von Produkten des täglichen Bedarfs.

In diesem Fall spricht man von „Back to the roots“, da diese Menschen nur das wirklich nötige erzeugen um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Also Nahrung und ein Schlafplatz. Mittlerweile gibt es sogar Internetseiten auf denen sich diese Aussteiger untereinander helfen können. Also quasi ein Art Marktplatz. Die Angebote dort lauten in etwa „Suche Schlafplatz, biete Arbeitskraft“.

Das „Aussteigen“ ist aber mit deutlichen Problemen verbunden. Auch wenn fehlender Wohlstand kein Thema ist bei diesen Menschen, so verzweifeln sie doch häufig an medizinischer Versorgung. Denn ein Gesundheitssystem ist auch Wohlstand, welches sich nur durch Spezialisierung erzeugen lässt. Und wenn jeder für sich „kämpft“, kann man kein Gesundheitssystem aufbauen.

 

Die Religionen:

Viele Religionen, in ihren Urzuständen, beinhalten den Begriff des Fleißes als Überlebensgarant für eine friedliche Gesellschaft. Damit haben sie recht, aber auch unrecht.

Die Forderung des Fleißes bezieht sich auf eine nicht-technologische Zeit. Wenn jeder Mensch einen Acker hat, und diesen fleißig bewirtschaftet, dann hat jeder genug zu Essen und alle leben glücklich nebeneinander. Und wenn jemand mal durch äußere Gründe etwas verliert, so hilft die Gesellschaft gerne aus. Aber nur den Fleißigen. Die Erwartung der Friedlichkeit der Menschen in so einem Konzept ist absolut korrekt. Wenn genug Beute für alle Räuber vorhanden ist, dann leben die Räuber untereinander in Frieden. Oder anders ausgedrückt: Wenn alle Menschen genug Nahrung haben, dann streiten sie sich nicht um Nahrung. Wenn alle Menschen genug Schlafplätze haben, dann streiten sie sich nicht um Schlafplätze. Krieg und Frieden ist immer das Ergebnis des Verhältnisses von Räuber zu Beute, bzw. von Mensch zu Resource.

Und da lauert der Fallstrick bei den Religionen. Wenn ein Bauer sich und seine Familie ernähren kann, ist alles super. Wenn der Bauer aber Technologie, z.B. ein Pflug oder ähnliches hat, dann kann er seine Felder besser bestellen und kann nun statt nur seiner Familie, auch noch seine Nachbarn mitversorgen. Den Nachbarn gibt das die Möglichkeit, sich von der Landwirtschaft zu verabschieden, da der eine Bauer ja genug Nahrung erzeugt. Diese versorgten Menschen würden nun ihr Leben genießen und ihrer eigenen Bedürfnisbefriedigung nachgehen. Der eine Bauer, der aber die Nahrung erzeugt, fragt sich, warum er denn bitte schön als einziger fleißig sein soll. In dem Moment verweigert er den Nachbarn die Mitversorung. Die Nachbarn müssen nun ihrerseits etwas finden, was der Bauer vllt. haben möchte. Die Nachbarn spezialisieren sich z.B. auf Reparaturen, oder auf Kleidungsherstellung oder auf Nahrungslagerung oder oder oder, und fangen dann an mit dem Bauern zu verhandeln. Und wo Handel stattfindet, kommt auch automatisch Streit dazu. Denn es gibt zwar genug Beute für alle Räuber, aber einige Räuber haben mehr Beute einer bestimmten Sorte als andere Räuber. Die Räuber versuchen also, sich untereinander soviel Beute wie möglich wegzunehmen. Offiziell wird das „Handel und Tauschgeschäft“ genannt, aber es geht nur darum alles an sich zu bringen. Es folgt ein Wettbwerb. Dabei gilt: Krieg ist der größtmögliche Wettbewerb. Frieden ist der kleinstmögliche Wettbewerb.

Wenn Religionen also Technologie verteufeln und Wissen und Aufklärung verhindern, dann haben sie Recht mit dieser Ansicht, da Technologie und Wissen zu einer Änderung der landwirtschaftlichen Grundstruktur führt und damit zu Besitzanhäufungen bei den Spezialisten und damit dann auch zu Wettbewerb und Krieg.

Der Haken dabei ist aber, dass wir für dieses Konzept mittlerweile viel zu viele Menschen auf der Welt sind. Aber dazu später mehr.

 

Sonstige Weltanschauungen:

Es gibt dann auch noch Weltanschauungen die sich von weltlichem Besitz absondern und nur dem Geiste folgen. Sei es nun der einsame Eremit in der Wüste, oder ein Mönch beliebiger Religion in einem Kloster. Allen gemein ist aber das Konzept des „back to the roots“.

 

 

 

Was würde also passieren, wenn alle Menschen auf der Welt jegliche Technologie verlieren und alles Wissen um diese Technologie weg wäre?

Dazu nehmen wir als ersten Punkt, den Punkt der Sterblichkeit.

Menschen sterben. Das ist normal. Durch unsere Medizin in den Industrieländern, haben wir es geschafft, das menschliche Leben von durchschnittlich 35Jahre auf 85Jahre raufzusetzen. (Je nachdem welches Land man sich anschaut). Zusätzlich dazu wurde die Säuglingssterberate drastisch reduziert. Wenn heutzutage ein Säugling stirbt, fragen wir uns wie das passieren konnte, und das gar nicht möglich sei und das jemand etwas falsch gemacht hat. Tja, das Säuglinge sterben, ist ohne Medizin der Normalzustand. Wenn wir heute in Länder schauen, die medizinisch noch nicht so weit sind wie wir, dann haben wir dort eine extrem hohe Sterberate.

Das erste was also passieren wird durch den Wegfall der Medizin: Die Menschen sterben früher und es sterben mehr Kinder. Das führt zu einer Reduzierung der Menschheit.

Der nächste Punkt ist die Gefahr durch die Natur.

Wenn die Menschen ihre Technlogie aufgeben, dann geben sie der Natur die Freiheit. Das bedeutet, dass sich auch Raubtiere wie Bären und Wölfe wieder ausbreiten. Und dann kann man Wetten abschließen, ob es ein Rentner von heute schafft, mit seiner künstlichen Hüfte vor einem Rudel Wölfe in Sicherheit zu bringen. Waffen zur Verteidigung gibt es ja nicht mehr. Klingt schwarz, ist es. Der Rentner wird es nicht schaffen. Dementsprechend werden überproportional viele alte Menschen sterben. Eine weitere Reduzierung der Menschheit.

Der nächste Punkt ist das Nahrungsangebot.

Die Anzahl der jetzigen Weltbevölkerung ist nur möglich durch eine hohe Technologisierung der Landwirtschaft. Das beinhaltet die Technik (Traktoren, Mähdrescher etc) und das Wissen um die Pflanzen (Dünger, Zucht, Genetik etc). Wenn diese Technologie nicht mehr da ist, wird der Ertrag auf den Feldern rapide nach unten sinken. Dies müsste ca. um den Faktor 35 geschehen. Ein Bauer hat ohne Technologie mit Hilfe seiner Familie und den Kindern, sich selbst und die Familie versorgt. Mit Technologie schafft es ein Bauer im heutigen Deutschland, 133 andere Menschen mitzuversorgen. 133/4 sind dann grob 35. Geschieht das weltweit, wird das Nahrungsangebot von Feldern um den Faktor 35 reduziert.

Es fehlt Nahrung, Menschen verhungern, Gesamtbevölkerung wird reduziert.

 

Nächster Punkt: Die restlichen Menschen werden sich heftig streiten um die Resourcen. Z.B. um die Nahrung.

Sie hauen sich die Köpfe ein, diesmal ohne Technologie. Dabei werden auch noch mal eine Menge Menschen draufgehen.

 

Fazit:

Ganz am Ende steht dann eine Bevölkerungszahl von ehemals 7 Mrd einer neuen Bevölkerungszahl von vllt. 100Mio Menschen gegenüber. Dementsprechend wären 6,9Mrd Menschen dabei draufgegangen. Diese 100Mio Menschen wären dann aber wieder im Einklang mit der Natur. 

„Back to the roots“ für alle, würde also knapp 6,9Mrd Tote nach sich ziehen. 

Das Ziel, im Einklang mit der Natur zu leben, wäre damit sogar tatsächlich erreicht. Aber der Preis wäre verdammt hoch.

Und jedesmal wenn die Menschen wieder erfinderisch werden, geht das ganze wieder von vorne los. Es entwickeln sich wieder Technologien, die Anbaumethoden werden wieder besser, die Menschheit wächst wieder und irgendwann, vllt. 10000Jahre später,  sind wir wieder da wo wir heute sind und debatieren darüber ob das Konzept „back to the roots“ nicht was für uns wäre…

 

 

Das wars…

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.